Seit 140 Jahren backen in Dresden Diakonissen den "Leib Christi" und beliefern damit inzwischen 1000 Gemeinden. 2006 verließen fast eine Million Hostien die Backstube. Hostie ist lateinisch und bedeutet Opfer. Als Abendmahlsbrot soll sie daran erinnern, dass Jesus Christus für die Menschen am Kreuz gestorben ist.
Von Dresden aus werden vor allem Gemeinden in Ostdeutschland beliefert. Aber auch aus dem Ausland gehen Bestellungen ein. So orderte jüngst eine dänische Gemeinde 100 000 Stück der Dresdner Hostien. Bis zur Wende belieferten die Diakonissen fast die gesamte DDR mit ihrem "Brot des Lebens". In den 80er-Jahren wurden jährlich mehr als 1,6 Millionen Hostien gebacken und versandt.
Montags bis donnerstags sind sechs Diakonissen und Mitarbeiterinnen mit der Fertigung beschäftigt. Weizenmehl und Wasser werden zu einem Teig verrührt, auf ein Backeisen aufgetragen und als Hostienplatte gebacken - ähnlich wie bei der Waffelbäckerei. Im Deckel des Backeisen sind 44 runde Felder mit drei Motiven eingraviert, die beim Backen in die Oblate eingeprägt werden: das Kruzifix, das Lamm mit der Siegesfahne und das Christussymbol. Nach einer kurzen Lagerungszeit werden die einzelnen Hostien aus den Platten ausgestanzt, abgezählt und in Kartons verpackt.
Seit 2002 leitet die Diakonissin Christine Ullmann die Bäckerei. Eigentlich sei sie mit Leib und Seele chirurgische Schwester, sagt sie. Aber aus gesundheitlichen Gründen musste sie diese Tätigkeit aufgeben. So war das erste Jahr in der Hostienbäckerei eine große Umstellung. "Zuvor hatte ich im Krankenhaus immer Hektik um mich herum." Doch allmählich gewöhnte sich die heute 60-Jährige an den ruhigeren Arbeitsablauf und versieht nun hier ihren - wie sie es nennt - Dienst im Auftrag Jesu.
Das Besondere an der Hostienbäckerei in Dresden: Hier wird alles noch mit der Hand gemacht. Während in anderen Klöstern und Gemeinden auf eine maschinelle Herstellung umgerüstet wurde, halten die Schwestern hier an der alten Tradition fest. Zum einen soll die meditative Stille nicht durch Maschinen gestört werden. Zum anderen müsste beim maschinellen Backen auf die speziellen Hostiensymbole verzichtet werden. "Gerade diese Besonderheit wollen wir in der Dresdner Bäckerei gern bewahren", sagt Schwester Christine. Allerdings sei die Arbeit ohne den ehrenamtlichen Einsatz der Schwestern nicht zu bewältigen.
Die Vorratsschränke der Hostienbäckerei sind im Moment fast leer. "Wir produzieren gerade von der Hand in den Mund", erzählt Schwester Christine. Vor allem in der Vorweihnachtszeit wird vermehrt das heilige Abendmahl gefeiert, daher nehmen die Bestellungen zu. Manchmal befürchten die Schwestern sogar, dass sie "ihre" Gemeinden nicht rechtzeitig beliefern können. Doch bisher ist das noch nicht vorgekommen. Und sollte es doch mal knapp werden, dann werde eben eine Nachtschicht eingelegt.