Schon zu DDR-Zeiten, seit 1964, begannen ihr die Menschen den Rücken zu kehren, und immer noch sterben dort doppelt so viele wie geboren werden. Heute leben hier 46 Einwohner je Quadratkilometer.
Die Landschaft prägen vielfach leer stehende Gehöfte und verfallene Häuser. Nennenswerte Städte sind Perleberg, Wittenberge, Pritzwalk, Wittstock, Kyritz und Bad Wilsnack. Seit 1994 verlassen in wachsendem Maße junge Leute die Prignitz. Allein zwischen 2001 und 2002 zogen etwa 2000 Ansässige weg. In den vergangenen zehn Jahren verließen mehr als 10 000 Menschen Brandenburgs Nordwestecke, die für Werbeprospekte "auf halbem Wege zwischen Hamburg und Berlin" liegt.

Landrat: Graue Theorie
Dass sie eines Tages ganz entvölkert sein könnte, wenn der Schwund anhält, lässt Landrat Hans Lange (CDU) nicht gelten. "Das ist graue Theorie." Doch immerhin sank nach dem statistischen Jahrbuch der Prignitz deren Einwohnerzahl von 111 000 (1990) auf 92 646 im Jahre 2002. Damit hat sie fast wieder das Niveau von 1890 erreicht: Damals wurden nur etwa 90 000 Menschen gezählt. Vor allem der Mangel an Arbeitsplätzen lässt die Einheimischen wegziehen.
Schon jetzt hat die Einwohnerdichte der Prignitz skandinavisches Niveau erreicht und ist gemäß der europäischen Statistik als menschenleer zu betrachten. Für die Zukunftssicherung fatal: Vorwiegend Junge und Familien packen die Koffer - was örtliche Unternehmen ernstlich in Schwierigkeiten bringen kann.
Als Gegenmaßnahme hat inzwischen die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Pritzwalk das Projekt "Schule und Wirtschaft" ins Leben gerufen. Es ermögliche jungen Menschen, Einblick in Unternehmen zu nehmen sowie eine Ausbildungsperspektive, erläutert die Leiterin des IHK-Regionalbüros Marion Talkowski. Gibt es gar nicht erst Fachkräfte vor Ort, ist die Neuansiedlung von Firmen so gut wie aussichtslos.

Weniger Landeszuweisungen
Derweil gehen für den Landkreis Prignitz mit den sinkenden Einwohnerzahlen auch die Einnahmen in Form von Landeszuweisungen zurück, er muss aber trotzdem den Schülertransport, öffentlichen Personennahverkehr sowie eine funktionierende Verwaltung aufrecht erhalten.
Der Erhalt oder die Schließung von Schulstandorten und Kitas, die Zuzahlung von Eltern für Schulfahrten oder auch immer länger werdende Schulwege bestimmen deshalb schon seit längerem die öffentliche Diskussion.