"Was in Jänschwalde gemacht wird,
ist nicht verboten."
 Michael Dahlhaus, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)


Anfang September hat es in der Sonne Recycling GmbH hinter dem Kraftwerk in Freienhufen (Oberspreewald-Lausitzkreis) gebrannt. Ein etwa sechs Meter hoher Müllberg hatte sich angesammelt und entzündet. Betriebsleiterin Christina Walkowiak ist froh, dass die Spuren des Feuers inzwischen beseitigt sind. Die Probleme, die zu der Ansammlung geführt hatten, allerdings noch nicht. Das neue Kraftwerk Sonne, in dem aussortierter brennbarer Müll auch aus Walkowiaks Unternehmen verfeuert werden soll, ist noch nicht fertig. „Wir nutzen jetzt ein Zwischenlager in Senftenberg und haben mittlerweile auch ein eigenes errichtet.“ Die Betriebsleiterin hofft, bis zur Inbetriebnahme des neuen Müllverbrennungs-Kraftwerkes über die Runden zu kommen.

Großer Bedarf in Brandenburg
Erst an drei Standorten können in Brandenburg Ersatzbrennstoffe in Energie umgewandelt werden. Die Kapazitäten im Kraftwerk Jänschwalde bei Cottbus sowie in den berlinnahen Standorten Premnitz und Rüdersdorf reichen allerdings nicht aus. 700 000 Tonnen pelletierte Ersatzbrennstoffe können dort im Jahr in Energie umgewandelt werden. Auf Grund des großen Bedarfs sind in Brandenburg noch vier weitere Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 850 000 Tonnen geplant. Neben der „Sonne“ in Freienhufen/Großräschen entsteht gegenwärtig in Rüdersdorf ein Vattenfall-Kraftwerk für das Zementwerk, das auch ESB schlucken wird. An Industriestandorten in Premnitz und Schwedt sind die beiden anderen neuen Anlagen vorgesehen.
Bis dahin geht aber noch Zeit ins Land, die die Müllberge anwachsen lassen. Nach den Bränden in Freienhufen war dem Großräschener Bürgermeister Thomas Zenker der Kragen geplatzt, zumal sich vor dem Feuer in Freienhufen bereits im Juni bei der Schwarze Elster Recycling ein riesiger Sperrmüllberg entzündet hatte. Er verlangt, dass bisherige Deponien wieder aufgemacht werden, bis die Anlagen zur Verbrennung oder Verstromung funktionieren.

Millionen Euro für die Müllaufbereitung
Andreas Müntner, Experte für Abfallwirtschaft im Potsdamer Umweltministerium, will sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. „Das wäre ein falsches Signal.“ Es gebe genug Zwischenlager. Die zu nutzen sei manchen Betreibern von Recyclingstellen offenbar zu teuer. Deshalb würden sie den Müll bei sich liegen lassen, vermutet Müntner. „Hätten wir die Laufzeiten der Deponien verlängert, wären viele Investitionen nicht gekommen“ , sagt er. Immerhin wurden in Brandenburg im Zusammenhang mit der Umstellung der Restabfall-Entsorgung mehr als 300 Millionen Euro in Müllaufbereitungsanlagen gesteckt. Rund 200 Arbeitsplätze sind entstanden. Hinzu kommen weitere Investitionen in dreistelliger Millionen-Höhe für die vier neuen Ersatzbrennstoff-Kraftwerke.
Seit Juni vergangenen Jahres wurden 21 Deponien geschlossen. Gegenwärtig stehen für die Ablagerung nichtbrennbarer Abfälle noch sieben Deponien zur Verfügung. Zwei davon sollen bis 2009 dicht gemacht werden. 1992 waren zwischen Uckermark, Lausitz und Elbe-Elster-Land noch 60 Lagerstätten in Betrieb. Dort wurden jährlich vier Millionen Tonnen Abfall abgeschüttet. Zukünftig werden es weniger als eine halbe Millionen Tonnen pro Jahr sein.

Deponien auf nur noch drei reduziert
Auch in Sachsen hat sich die Anzahl der Deponien drastisch verringert. Ende der 80er-Jahre gab es im Freistaat noch 800 Deponien, jetzt existieren nur noch drei. Leistungsfähige Anlagen für die Müllverbrennung gibt es in Lauta und in Schwarze Pumpe (Landkreis Kamenz).
Die thermische Behandlung und Beseitigung des Mülls bringt jedoch nicht nur Segen. Umweltschützer kritisieren beispielsweise, dass im Kraftwerk Jänschwalde durch den ESB-Einsatz jährlich zusätzlich über 100 Kilogramm Quecksilber an die Umgebung abgegeben werden. Obwohl der Anteil der Sekundärbrennstoffe in Jänschwalde gemessen an der Gesamtmenge Braunkohle relativ gering sei, betrage der Anteil an ausgestoßenem Quecksilber dann 20 Prozent. „Was in Jänschwalde gemacht wird, ist nicht verboten“ , räumt Michael Dahlhaus vom BUND Berlin ein. „Wir verlangen aber, dass die Grenzwerte für Müllverbrennungsanlagen auch bei der Zufeuerung von Ersatzbrennstoffen gelten“ , so Dahlhaus.
Unterschiedlich sind auch die Auswirkungen für die Bürger. Im Spree-Neiße-Kreis steigt die Gebühr im nächsten Jahr um 16 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt kommen da 15 Euro mehr im Jahr zusammen. Der Leiter des Eigenbetriebes Abfallwirtschaft, Wolfgang Thamke, nennt als Gründe unter anderem die Erhöhung der Mehrwertsteuer und Kosten, die durch den Wegfall kreislicher Deponiegebühren und weitere Transportwege entstehen. So wird der Müll aus dieser Region bis nach Schöneiche bei Berlin gefahren.
Auch im Einzugsbereich des Abfallverbandes Schwarze Elster im Oberspreewald-Lausitzkreis kletterte der Müllpreis leicht.

In Sachsen sogar sinkende Preise
Im sächsischen Landkreis Kamenz sinkt die jährliche Grundgebühr sogar. Nach Angaben der Kreisverwaltung hat die Ausschreibung der Abfallentsorgung im Juni dieses Jahres zu geringeren Preisen geführt. „Die vielfach befürchtete Explosion der Abfallgebühren hat es in Sachsen nicht gegeben“ , schätzt Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) ein. Allerdings könne in einzelnen Fällen ein moderater Anstieg der Abfallgebühren künftig nicht ausgeschlossen werden, schränkte Tillich ein. Die Festlegung der Preise sei allerdings Sachse der Landkreise und kreisfreien Städte.