Möpse soweit das Auge reicht, wasservernarrte Weitspringer und talentierte Frisbee-Schnapper - ein bunt gemischter Hundehaufen hat sich am Samstag zum ersten Cottbuser Dogfestival auf der Stromwiese versammelt. Mit dabei: Mehr als 600 Frauchen und Herrchen, oder welche, die es werden wollen. Denn neben ausgefallenen Wettkämpfen für Hund und Besitzer beantworteten auch Experten wie Tierarzt und Rechtsanwalt alle Fragen rund um den Hund. Etwa 300 Vierbeiner tummelten sich nach Schätzungen der Veranstalterin Lisa Tzschoppe auf dem Gelände herum. Nicht das einzige Indiz dafür, dass die Lausitz auf den Hund gekommen ist.

Der Terminkalender von Hundefriseurin Susann Müller ist seit etlicher Zeit so voll, dass die Cottbuserin keine neuen vierbeinigen Kunden mehr annehmen kann. "Die Nachfrage ist deutlich gestiegen, die gesamte Heimtierbranche boomt", sagt die Frau mit 23-jähriger Berufserfahrung. Dass der Bedarf an Hundepensionen, -schulen und -friseuren in der Lausitz gewachsen ist, kann auch Amtstierärztin Wienke Becker vom Veterinäramt Cottbus bestätigen. "Anfänglich war die Branche in und um Cottbus sehr klein, jetzt ist nicht nur mehr Bedarf da, die Leute sind auch besser ausgebildet." Denn es gebe immer wieder neue Erkenntnisse, die auch umgesetzt werden müssen, wie beispielsweise Zwingergröße und Beschäftigungsmaterial. "In einer Pension werden Tiere nicht einfach abgegeben und wieder abgeholt. Es wird aktiv mit ihnen gearbeitet, so dass der Spieltrieb ausgelebt werden kann", sagt die Amtstierärztin. Ein Wandel, den man deutlich sehe. Grund dafür ist nicht zuletzt eine neue Nachweispflicht zur Kenntnis über tierschutzgerechte Haltung und Pflege. "Wer eine Hundeschule oder-pension führen möchte, braucht seit vergangenem Jahr den Nachweis für eine Zulassung durch das Veterinäramt", so Becker. Die entsprechenden Lehrgänge dafür bietet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam an.

Auch der Markt rund um naturbelassenes Hundefutter hat die Region erobert. Der neue Ernährungstrend für den Hund nennt sich Barf und steht für eine biologisch artgerechte Rohfütterung. "Das Futtermittelangebot ist sehr breit aufgestellt. Immer mehr davon geht in die natürliche Richtung", sagt Wienke Becker. Dieses Angebot - mehr Fleisch, weniger Getreide, keine Konservierungsstoffe - bietet auch Barbara Heinzelmann in ihrem Cottbuser Laden "Fleischwolf" an.

"In den letzten Jahren ist die Nachfrage stetig gestiegen", sagt die überzeugte "Barferin". "Die Ernährung ist extrem ausgewogen und die Hunde sind ausgeglichener." Teurer sei die Frischfleischfütterung nicht, aber durchaus ein wenig aufwendiger. "Man muss sich schon Gedanken machen, wie viele Anteile an Fleisch, Gemüse oder Kalzium der Hund braucht."

Das Gesundheitsthema hat also die Hundehalterszene längst erreicht - aber noch lange nicht in jeder Hinsicht. "Kurzschnäuzige Hunde wie Bulldoggen und Möpse sind derzeit in Mode", weiß Wienke Becker. "Leider", seufzt sie, "denn durch die kurzen Nasen haben diese Rassen größere gesundheitliche Probleme". In Cottbus sind derzeit knapp 4400 Hunde gemeldet, in Senftenberg leben 1130 Vierbeiner und Hoyerswerda zählt 1340 Hunde in ihrem Stadtgebiet. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Anmeldungen in allen drei Städten auf einem konstanten Level. Im Land Brandenburg beläuft sich die Zahl der ordnungsrechtlich registrierten Hunde auf knapp 127 000 - ein Zuwachs von 4,4 Prozent in den letzten vier Jahren. Zu den Zahlen im Freistaat kann das Sächsische Innenministerium keine Angaben machen.