Schließlich hat in den USA fast jeder sechste Einwohner gar keine Krankenversicherung - etwa 40 Millionen Menschen. Und selbst wer versichert ist, muss oft horrende Arzt- und Arzneirechnungen aus eigener Tasche zahlen.
Allerdings schafften es die USA jedoch in den 90er-Jahren, die Gesundheitskosten mit einem Effizienzprogramm deutlich zu dämpfen. Genau dieses Programm stößt deshalb auch in Deutschland auf Interesse. Eine einfache Übernahme von US-Konzepten ist allerdings problematisch. Zu unterschiedlich sind die Systeme.

Systeme zu unterschiedlich
Sind in Deutschland rund 90 Prozent der Bevölkerung bei den gesetzlichen Kassen versichert, sind dies in den USA gerade einmal 25 Prozent. Die zwei vorhandenen staatlichen Versicherungen sind ohnehin nur für bestimmte Gruppen zuständig: Medicare für Senioren, Medicaid für Arme. Rund 60 Prozent der Bevölkerung sind privat versichert - die meisten davon über den Arbeitgeber, der die Versicherungsverträge abschließt.
Die freie Wahl von Arzt und Krankenhaus ist nicht nur in den staatlichen Versicherungen, sondern auch bei vielen Versicherungen über den Job eingeschränkt. Seit Anfang der 90er-Jahre traten die meisten US-Firmen einem Effizienzsystem bei. Dabei stellen Gesundheitsorganisationen (HMO) ein Netz von Ärzten und Einrichtungen zur Verfügung, die kostengünstig arbeiten sollen. Der Patient ist nur abgedeckt, wenn er durch dieses Netz versorgt wird. Mediziner und Hospitäler, die nicht effizient arbeiten, müssen fürchten, von der HMO gekündigt zu werden. In einigen HMO müssen die Patienten zudem stets erst zu einem bestimmten Arzt ("Gatekeeper") gehen, der entscheidet, ob ein Spezialist benötigt wird. Dies entspricht in etwa dem Hausarzt-Modell.

Kostensenkung nur zeitweise
Mit Hilfe von "Managed Care" gelang es den USA in den 90er-Jahren, die Gesundheitskosten zu bremsen. 1990 lag der Anstieg der Versicherungsbeiträge noch bei 17 Prozent, 1996 sanken sie um 0,4 Prozent. Doch der Erfolg war nur vorübergehend: Inzwischen steigen Ausgaben und Beiträge wieder steil an.
Die neue Kostenexplosion wurde durch die Unzufriedenheit vieler Amerikaner mit den HMO mitverursacht. Sie wollten die Restriktionen bei Wahl von Arzt, Krankenhaus und Medikament nicht akzeptieren, sagt Alwyn Cassil vom Washingtoner Zentrum für das Studium von Veränderungen im Gesundheitssystem. Während in Deutschland derzeit also diskutiert wird, den Gang zum Spezialisten künftig nur nach Überweisung durch den Hausarzt zu erlauben, ist dieses "Gatekeeper"-Prinzip in den USA vielerorts wieder abgeschafft. Cassil weiß auch den Grund: Viele Patienten fühlten sich einfach "drangsaliert".