Sachsen und Tschechien haben nach 20 Jahren intensiver Zusammenarbeit eine positive Bilanz gezogen. "Hier wird nicht übereinander geredet, sondern miteinander um Lösungen gerungen", sagte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nach einem Treffen mit Tschechiens Regierungschef Petr Necas am Freitag in Prag.

Das bisher Erreichte sei aus Sicht Sachsens "eine Einmaligkeit", erklärte Tillich. Nicht nur die Regierungen kooperierten, sondern auch Organisationen aus Kultur und Sport, Jugendarbeit und Seniorenförderung.

Am 5. Dezember 1992 hatten die beiden Nachbarn ihre Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Erklärung vertraglich besiegelt.

Inzwischen ist die Tschechische Republik mit rund 4,4 Milliarden Euro Handelsvolumen im Jahr 2011 Sachsens zweitgrößter Handelspartner nach China. Rund 700 Unternehmen im Freistaat sind mit tschechischen Firmen vernetzt oder im Nachbarland präsent. Das Außenhandelsvolumen hat sich seit dem Jahr 1993 mehr als verzehnfacht, die Zahl der Grenzübergänge verdoppelt. Seit dem Jahr 2006 führt eine Autobahn von Dresden nach Prag, allerdings fehlt auf tschechischer Seite noch ein Teilstück. Es werde - nach jahrelangen Verzögerungen - bis Ende 2014 vollendet, versprach Necas seinem Kollegen.

Sorge bereitet der wachsende Handel mit Aufputschmitteln im Grenzgebiet. "Drogen halten sich nicht an Grenzen", räumte Necas ein. Der konservative Politiker bestritt, dass sein Land eine besonders liberale Drogenpolitik verfolge. Tillich begrüßte, dass die tschechische Polizei den Fahndungsdruck erhöht habe und grenznahe Märkte verstärkt kontrolliere. Das sei in Sachsen spürbar. Beide Regierungen hatten zuletzt vereinbart, bis zum Frühjahr eine gemeinsame Fahndungsgruppe mit Polizisten aus beiden Ländern einzurichten. Mit der polnischen Polizei gibt es so etwas bereits.

Für Empörung sorgen bei Umweltschützern weiter die tschechischen Pläne, in unmittelbarer Nähe der Sächsisch-Böhmischen Schweiz zwei massive Elbe-Staustufen zu bauen. Auf diese Weise soll die Schiffbarkeit des Flusses ganzjährig sichergestellt werden. "Die Elbe ist unser einziger Zugang zum Meer und eine strategische Verkehrsachse", sagte Necas und beharrte auf den umstrittenen Plänen. Sachsen befürchtet zu große Auswirkungen auf die Umwelt.