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In Cottbus gestohlen, morgen in Zentralasien

Grafik des BKA zu den Absatzmärkten für gestohlene Autos aus Deutschland
Grafik des BKA zu den Absatzmärkten für gestohlene Autos aus Deutschland FOTO: BKA
Cottbus. Heute gestohlen, morgen in Polen – so wird gerne gelästert. Tatsächlich ist aber auch Polen beim Autoklau immer seltener das Ziel der Banden. Längst liegen die Absatzmärkte woanders. Entspannung bedeutet das für Lausitzer Autobesitzer aber leider nicht.

2861 Autos wurden im vergangenen Jahr in Brandenburg gestohlen, 2886 waren es in Sachsen. betroffen sind nach wie vor vor allem die grenznahen Orte, wo sich die Zahl der Diebstahlsversuche im vergangenen Jahr noch einmal deutlich erhöht hat. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote der Polizei. Gerade einmal 15 Prozent der Autoklau-Fälle konnten im grenznahen Raum zu Polen 2016 aufgeklärt werden. So dramatisch schlecht war die Bilanz der Polizei hier seit 2008 nicht mehr.

In diesem Jahr ist wieder Besserung in Sicht. Denn zumindest einer Bande sind die Ermittler auf die Spur gekommen. Vier Verdächtige wurden im April verhaftet. Es handelt sich um polnische Staatsbürger, die für rund 100 Autoklau-Fälle in Brandenburg und Berlin verantwortlich sein sollen. Drei von ihnen wurden auf frischer Tat ertappt. Derzeit laufen noch die Ermittlungen.

Gesucht wird nach den Hintermännern der Taten. Denn die, die den deutschen Behörden ins Netz gehen, sind meist nur kleine Fische. "Die internationale Kfz-Verschiebung wird von hoch qualifizierten, spezialisierten und in der Regel arbeitsteilig agierenden Tätergruppierungen dominiert", heißt es im jüngst erschienenen Lagebild Kfz-Diebstahl des Bundeskriminalamtes (BKA). "Die Entwendung der Kraftwagen erfolgt nach dem bereits bekannten modus operandi", bestätigt Karina Schulter von der Brandenburger Polizei. Diebe knacken die Autos, Kuriere bringen sie über die Grenze. Dort werden sie entweder zerlegt oder im Ganzen weitertransportiert. "In der Regel sind die verschiedenen Ebenen einer Tätergruppierung voneinander abgeschottet und nur selten hat der einzelne Tatbeteiligte Kenntnis über den Gesamtablauf einer Kfz-Verschiebung", so die Experten des BKA.

Vor allem an die Logistiker und Organisatoren im Hintergrund heranzukommen, ist für die Ermittler schwierig. Deren Absatzwege gehen längst über das Nachbarland Polen hinaus. "Die Zielmärkte für in Deutschland entwendete Kfz liegen überwiegend im Osten Europas, wobei auch tendenzielle Verlagerungen in weiter entfernte Regionen Zentralasiens wie Tadschikistan und Usbekistan sowie Westafrikas zu beobachten sind", heißt es im Lagebericht des LKA. Polen dienst dabei als als Transitstaat für Fahrzeugtransporte in die zentralasiatischen Absatzstaaten.

"Zudem hat sich die Route über die Türkei zu einem wichtigen Transportweg für entwendete Fahrzeuge entwickelt, die für den Absatz in Zentralasien und im Nahen und Mittleren Osten bestimmt sind", so die Einschätzung des BKA. Wichtige Umschlagplätze im Nahen Osten sind die Häfen in Mersin und Istanbul in der Türkei sowie Alexandria in Ägypten.

Um den Hintermännern endlich auf die Spur zu kommen, arbeiten die Polizeibehörden immer enger zusammen. Dabei hilft das internationale Projekt "Limes". "Hierbei handelt es sich um ein von der EU gefördertes Projekt, mit dem Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der internationalen Kraftfahrzeugverschiebung zu intensivieren", erklärt das Brandenburger LKA. Im Fall der jüngst in Brandenburg verhafteten Polen war es dadurch möglich, Dienststellen im Nachbarland frühzeitig in die Ermittlungen mit einzubeziehen.

Gelungen ist dies bisher vor allem mit sogenannten Joint Investigation Teams (JIT). Drei davon hat es bisher zwischen Deutschland und Polen gegeben. "Gegen die Täter aus dem ersten JIT wird seit Februar 2015 vor dem Gericht in Zielona Gora verhandelt, aktuell sind es 21 Angeklagte. Die Ermittlungen zum zweiten JIT erbrachten bereits insgesamt zwölf Verurteilungen. Gegen den Haupttäter wird derzeit noch vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verhandelt", berichtet Polizeisprecherin Karina Schulter