Der große Tagungsraum der Wismut GmbH in Chemnitz hat sich in einen Malsaal verwandelt. Restauratoren rücken mit Pinsel, Farbe, Messer und Feder Dutzenden Ölgemälden zu Leibe, um sie von Patina und Schäden ihres vieljährigen Depot-Daseins zu befreien.

Ab 18. September werden die Bilder in der Ausstellung "Schicht im Schacht. Die Kunstsammlung der Wismut - eine Bestandsaufnahme" in der Neuen Sächsischen Galerie (NSG) in Chemnitz gezeigt. Die Schau bietet nach Angaben der Galerie erstmals einen repräsentativen Einblick in die größte Kunstsammlung eines DDR- Betriebes.

Die weitgehend unbekannten Werke wurden von 1959 bis 1989 zusammengetragen. Nunmehr soll ihre enge Verbindung mit den Menschen der Region, dem Uranbergbau und 40 Jahren Kulturpolitik der DDR sichtbar werden. Die Wismut ließ oft Untertage-Szenen mit heldenhaften Kumpeln am Bohrhammer, glückliche Bergarbeiter-Familien, Auszeichnungsfeiern und zahlreiche Landschaften malen. Andere Künstler lasen während ihrer Vorort-Studien aus den Gesichtern der Menschen auch Anstrengung oder Schmerz bei der gefährlichen Arbeit und hielten dies fest.

In den letzten DDR-Jahren schien hin und wieder die Sicht auf die geschundene Umwelt durch. Insbesondere pflegte die Wismut den Kontakt zur Leipziger und Dresdner Maler-Schule. Neben Studenten, Laienkünstlern und lokal bedeutenden Schöpfern tauchen Namen wie Bernhard Heisig, Willi Sitte, Arno Rink, Werner Tübke, Gerhard Kettner, Rolf Kuhrt oder Eva Schulze-Knabe auf.

Auch Künstler aus den ehemaligen Ostblockländern malten für die Wismut. Von den insgesamt 4209 Werken wurden etwa 120 für die Ausstellung ausgewählt. Die NSG und das Dresdner Institut für Kulturstudien hoffen, damit eine Diskussion zu Stellenwert und Zukunft der Sammlung anzuregen. Denn noch immer ist unklar, was einmal aus dem heute am Unternehmenssitz in Chemnitz gehüteten Bestand wird.

Die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut war mit ihren Standorten in Sachsen und Thüringen der einst drittgrößte Uranproduzent der Welt. Im Jahr 1991 übernahm die Bundesrepublik die Hinterlassenschaften und beauftragte das Nachfolgeunternehmen Wismut GmbH mit der Sanierung. Neben Bergwerken und Aufbereitungsanlagen, Sozialeinrichtungen und Kulturhäusern gehört auch die Auftragskunst des Unternehmens zum Erbe.

Die meisten Produktionsstätten und Abraumhalden sind mittlerweile saniert, die nicht betriebsnotwendigen Immobilien verkauft. Eines Tages wird der Staatsbetrieb seine Aufgabe erfüllt haben.

Das sächsische Kunstministerium hatte 2011 mit dem dann wieder fallen gelassenen Plan überrascht, dass ein Bereich im künftigen Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz der Wismut-Thematik gewidmet wird. Der einstige Bergbauort Bad Schlema wollte wenig später die Sammlung in ein mögliches Wismut-Museum integrieren.

Einige namhafte Künstler der Chemnitzer Region hingegen wollen die "stalinistische Auftragskunst" möglichst gar nicht öffentlich zur Schau gestellt wissen. "Wir sind nicht unter Druck", sagt Wismut-Sprecher Frank Wolf seit Jahren zur Zukunft der Sammlung. So ganz klar sei ja nicht, wie lange es das Unternehmen noch geben werde. Vorläufig tue es alles, das Kunstgut ordentlich zu bewahren.

Ausgeliehen würden Arbeiten nur, wenn die Bedingungen stimmen, sagt Wolf. Eine Ausstellung in der Stadt des Firmensitzes sei da durchaus an der Zeit.