An Brandenburgs Schulen sind 30 Prozent aller Lehrerwochenstunden im Fach Kunst im Schuljahr 2014/2015 nicht von ausgebildeten Kunstlehrern unterrichtet worden. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten der Grünen Marie-Luise von Halem hervor. Während an Gymnasien und Gesamtschulen fast immer Kunstlehrer im Einsatz waren, sei das Fach an Oberschulen nur zu 70 Prozent von Fachlehrern unterrichtet worden. An Grundschulen seien nur 60 Prozent aller Unterrichtsstunden in diesem Fach von Kunstlehrern unterrichtet worden, an Förderschulen nur 40 Prozent.

",Jedes Kind und jeder Jugendliche hat Anrecht auf einen hochwertigen Kunstunterricht", sagte von Halem. "Insbesondere der Umstand, dass es Brandenburg zwar an den Gymnasien und Gesamtschulen gelingt, den Bedarf abzudecken, jedoch nicht an den Oberschulen wirft Fragen auf." Dies zeuge von einer deutlichen Bildungsbenachteiligung.

Aus Sicht der Grünen-Politikerin ist der Kunstunterricht "ebenso wichtig wie Mathematik und Deutsch". Schüler würden im eigenen kreativen Tun die Fähigkeit entwickeln, sich mit ihren eigenen Ideen vertieft auseinanderzusetzen. "Das sind elementare Bildungskompetenzen", so von Halem. "Die Bedeutung des Kunstunterrichts für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wird in Brandenburg nach diesen Zahlen deutlich unterschätzt." Der CDU-Bildungsexperte und Prignitzer Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann betonte, dass der Kunstunterricht kein Einzelfall sei. "Es hakt ja auch bei LER und Musik", so Hoffmann. "Es liegt daran, dass die Landesregierung sich beharrlich weigert, die Lehrerbildung an den Universitäten so zu steuern, dass wir endlich einmal die Lehrer ausbilden, die wir auch wirklich brauchen." Brandenburg würde seine Lehrer "seit Menschengedenken" am tatsächlichen Bedarf vorbei ausbilden. "Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn man für die Fächer, wo man Lehrer braucht, keine geeigneten Kandidaten findet." "Die Situation ist in vielen Bundesländern schlecht", beklagt Katja Frick vom Landesverband des Fachverbandes für Kunstpädagogik (BDK). In Brandenburg sei die Situation aber besonders schlimm, weil für angehende Lehrer das Schulfach Kunst nicht mehr studierbar sei.

An der Universität Potsdam sei das Fach eingestellt worden. Wer es studieren wolle, müsse nun auf die Universität der Künste (UdK) in Berlin ausweichen.

In Sachsen werden Kunstlehrer dagegen weiterhin an den Universitäten in Leipzig und Dresden ausgebildet. Der sächsischen BDK-Landesvorsitzenden Cindy Orlamünde sind Probleme wie in Brandenburg noch nicht zu Gehör gekommen. "Ich arbeite im Gymnasialbereich, hier wird der Kunstunterricht nur durch Fachlehrer erteilt."

Der Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums, Florian Engels, erklärte gegenüber der RUNDSCHAU, seit dem Schuljahr 2012/13 seien insgesamt 96 Absolventinnen und Absolventen mit dem Studienabschluss in Kunst als Referendare in den Vorbereitungsdienst an brandenburgischen Schulen aufgenommen worden. Davon unterrichten elf Absolventinnen und Absolventen des Referendariats an Oberschulen. Zudem bemühe sich die Landesregierung darum, auch Quereinsteiger für den Kunstunterricht an Brandenburgs Schulen zu gewinnen.