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In Bamberg bleibt die Geschichte lebendig

Dem Starrsinn eines mittelalterlichen Bischofs ist ein Bauwerk zu verdanken, das in der Gegenwart seinesgleichen sucht: das Bamberger Brückenrathaus. Majestätisch steht es in der Regnitz. Von Christoph Gahlau

Nach der Sage war der geistliche Mann nicht bereit, auch nur einen Quadratmeter Grund seines Gebiets für den Bau des Rathauses preiszugeben, sagt Andreas Christel, Leiter des Bamberger Tourismus- und Kongress-Service. Im 18. Jahrhundert wurde das Brückenrathaus dann im Stil des Rokoko und des Barock umgebaut. Gemeinsam mit der gesamten Altstadt gehört das "Alte Rathaus", wie die Bamberger sagen, seit zehn Jahren zum Weltkulturerbe der Unesco.
Im Zentrum des Weltkulturerbes steht der Kaiserdom mit der benachbarten Neuen Residenz, dem früheren Sitz der Fürstbischöfe von Bamberg. Im Bamberger Dom ist auch der unbekannte "Bamberger Reiter" beheimatet. Von Historikern wird vermutet, dass es sich um König Stephan von Ungarn handelt. Außerdem wird das Kaisergrab der Heiligen Heinrich und Kunigunde in Bamberg von Touristen aus aller Welt bewundert und von den Einheimischen verehrt.
Im Wesentlichen ist der Reichtum der historischen Stätten Bambergs Kaiser Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde zu verdanken. 1002 wurde Heinrich zum deutschen König gekrönt und wählte die Stadt als seinen Herrschaftssitz. Bereits fünf Jahre später hatte es Heinrich geschafft, den Bischöfen von Eichstätt und Würzburg Gebiete abzutrotzen und das Bistum Bamberg zu gründen.
Der König ließ sich nicht lumpen und stattete das neu gegründete Bistum Bamberg reich mit Gütern aus. Weil das Kaiserpaar kinderlos blieb, wurde die Kirche zur Erbin von Heinrich und Kunigunde. Im Laufe der Jahrhunderte bauten die Fürstbischöfe fleißig in Bamberg.
Heute repräsentiert die Stadt in einzigartiger Weise die Grundstruktur einer mitteleuropäischen Stadt. In der offiziellen Begründung der Unesco hieß es 1993: "In dem historischen Stadtbild - einer Synthese aus mittelalterlichen Kirchen und barocken Bürgerhäusern sowie Palästen - blieben architekturgeschichtliche Momente lebendig, die das gesamte Europa betrafen."
Und Kunigunde wacht weiterhin von der Unteren Brücke über ihr Bamberg. Sie blickt dabei auf "Klein Venedig", eine romantische Fischersiedlung an der Regnitz. Alljährlich findet hier die "Sandkerwa" statt, ein Volksfest, bei dem sich Ende August Hunderttausende durch die engen Gassen der Altstadt schieben. Reichlich Bier wird während der "Sandkerwa" genossen. Denn Bamberg und das Umland bietet seinen Gästen die größte Brauereidichte weltweit: Allein innerhalb der Stadtmauern sind neun Brauereien beheimatet, die 65 Biersorten herstellen.