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In 17 Tagen durch die Lausitz

Die Lausitz rückt ins Rampenlicht: Für den Kinofilm „Die Träume der Lausitz“ hat sich der Filmemacher Bernhard Sallmann auf eine 17-tägige Suche nach dem Wesen der Landschaft und seiner Bewohner gemacht. Und ist dabei an natürliche Grenzen gestoßen. Von Jörg Ciszewski

Der Flug mit dem Hubschrauber war gewissermaßen als Höhepunkt der Dreharbeiten vorgesehen. Aus 3000 Metern wollte Kameramann Börres Weiffenbach während eines zweistündigen Rundflugs die Landschaft in ihrer ganzen Pracht für die große Leinwand ins Visier nehmen. Doch die Lausitz zeigte sich von ihrer störrischen Seite, als ziere sie sich vor der medialen Inszenierung: Während bei den ersten beiden Versuchen dichte Wolken den Start vom Neuhausener Flugplatz sinnlos werden ließen, trübt am zwölften Drehtag diesige Luft den Himmel ein. Nach hektischen Telefonaten mit dem Flugplatz in Neuhausen und der Produktionsfirma in Leipzig wird der Flug morgens erneut abgesagt. "Da wären keine guten Bilder entstanden." So der kurze Kommentar des Grimme-Preis prämierten Weiffenbach. Das fünfköpfige Team aber trotzt der wiederholten Änderung im Drehplan, packt die Arbeitsgeräte zusammen und macht sich von der Senftenberger Pension, dem Ausgangslager für die Dauer der Dreharbeiten, auf den Weg in Richtung Lichterfeld. Und entdeckt unterwegs die riesigen Sanddünen bei Kostebrau. Der Kameramann zeigt sich begeistert: "Dieser neu entstehende Landstrich hält immer wieder Überraschungen bereit." Sandsturm vor der F 60Ebenso das Wetter. Der starke Wind macht an diesem Tag der Kameratechnik und den Filmemachern zu schaffen. Doch verdanken sie ihm kurze Zeit später das nächste lohnende Motiv: Die F 60 wird durch einen Sandsturm bei sonnigem Wetter gefilmt. Der Regisseur ist zufrieden: "Beim Dokumentarfilm entstehen manchmal die besten Momente einfach so." Doch das ist die Ausnahme. Bernhard Sallmann hat sich akribisch auf die Dreharbeiten für die Ko-Produktion von MDR und RBB vorbereitet. Durch seine beiden Werke "Lausitz 20 x 90" und "400 Kilometer Brandenburg", für den der Österreicher einen Monat lang zu Fuß die Region um Berlin erkundet hatte, konnte er bereits auf filmische Erfahrungen mit der weiteren Region zurückgreifen. Eigentlich hätten "Die Träume der Lausitz" bereits vor einem Jahr realisiert werden sollen. "Doch die Finanzierung kippte damals." Anfang April begann dann schließlich die heiße Phase. Letzte Recherchefahrten und Terminabsprachen. "Nach Ostern konnten wir endlich beginnen. Seitdem ist der Dreh wie ein Rausch", sagt der Berliner Filmemacher, der laut Drehplan am morgigen Sonntag die Aufnahmen beendet. Der Kinostart ist für das Leipziger Dokumentarfilmfest im Oktober vorgesehen.Die Dreharbeiten führten das Team von den Wasserschleusen des Bergbausanierers LMBV am ersten Drehtag unter anderem an den Schlabendorfer See, zum Sanierungsschiff, auf die Spuren des Wolfes in Rietschen und zu den Quad-Fahrern in den Tagebauflächen. Die Szenerie, die auf Sallmann allerdings den stärksten Eindruck gemacht hat, waren die im Nieselregen gefilmten Biotürme in Lauchhammer. "Wenn man die Geschichte kennt, wie die Menschen um den Erhalt gekämpft haben, und heute sieht, wie kleine Turmfalken dort nisten. Das ist toll", schwärmt der 42-Jährige. Aber das Kostbarste seien für ihn die Menschen: der Landwirt aus Proschim am Rande des Tagebaus oder der Hobby-Funker aus Hoyerswerda, der von seiner Plattenbauwohnung aus Kontakt in die Welt aufnimmt. Und nicht zuletzt IBA-Geschäftsführer Rolf Kuhn, dem Sallmann noch einen kurzen Besuch abstattet, als das Team am Mittag für einen Nachdreh an den IBA-Terrassen ankommt. Mit einem Blumenstrauß verschwindet der Regisseur in der Geschäftsstelle, um nach Kuhns Befinden zu fragen. Beim Dreh am Vortag hatte er sich bei einem Sturz Schürfwunden zugezogen. Vom Grund des Ilse-SeesNach einem Kaffee auf der Terrasse setzt das Team die Arbeit unterhalb der Seebrücke fort. Impressionen vom Grund des Ilse-Sees. Besuchern ist der Zutritt hierher untersagt. Die Kamera dokumentiert Ansichten, die nur wenige haben und die bald verschwinden. Bevor das Team zum nächsten Drehort nach Hoyerswerda aufbricht, sagt Sallmann, dass er es faszinierend findet, für "Die Träume der Lausitz" eine Landschaft zu filmen, für die es teilweise noch gar keine Namen gibt. Das muss der Traum eines Dokumentaristen sein.