Flüchtlinge in Berliner Notunterkünften bekommen ab sofort einen leichten Zugang zu kostenlosen Schutzimpfungen. Ein umgebauter Linienbus fährt seit Donnerstag als Impfmobil die Unterkünfte an, teilte die Charité am Donnerstag mit. An Bord des knallroten „MediBus“ sind Mediziner des Universitätsklinikums. Für die Impfberatung von Montag bis Freitag gibt es auch einen Dolmetscherdienst per Video in 50 Sprachen.

Das neue Angebot ist für Flüchtlinge gedacht, die noch nicht ausreichend nach den deutschen Empfehlungen immunisiert sind. Der Einsatz des Busses sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbesserung des Infektionsschutzes, sagte Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Donnerstag. Damit könnten viele Menschen unkompliziert erreicht werden. Der „MediBus“ stehe auch nachmittags bereit, um Kinder nach der Schule zu impfen, ergänzte Ulrich Frei, ärztlicher Direktor der Berliner Charité.

2015 und 2016 kamen insgesamt rund 70 000 Flüchtlinge nach Berlin. Durch Kriegswirren und den Zusammenbruch des Gesundheitssystems in ihrer Heimat sind nicht alle ausreichend gegen Infektionen immunisiert. In Berliner Unterkünften gab es deshalb bereits Ansteckungen mit Masern. Geimpft wird nun zum Beispiel gegen Diphtherie, Tetanus, Masern, Mumps und Röteln.

Der Impfbus wird aus Mitteln des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten finanziert und kostet pro Einsatztag rund 350 Euro. Geplant ist das Projekt erst einmal bis Ende des Jahres. Danach werde entschieden, ob das rollende Impfangebot im nächsten Jahr Teil der Versorgungsstruktur wird, sagte eine Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung.

Impfungen sind in Deutschland freiwillig. Mit dem Beginn der Flüchtlingskrise gab es eine Impfstelle beim Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales. Später wurden Flüchtlinge zum Impfen mit einem Shuttle zum Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten gefahren. Inzwischen gibt es das Impfangebot dort direkt mit der Registrierung und medizinischen Erstuntersuchung. Das Impfmobil soll den Zugang jetzt noch einfacher machen, um Lücken zu schließen.

Widerstand bei Flüchtlingen gegen Impfungen haben die Berliner Behörden bisher nicht erlebt. Die Berliner Bevölkerung sorgt allerdings selbst nicht immer für einen optimalen eigenen Impfschutz. So kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren größeren Masernausbrüchen in der Stadt.

Entwickelt wurde der „Medibus“ gemeinsam mit der Deutschen Bahn, die nun zusammen mit der Charité Erfahrungen beim Impfen sammeln will. Dahinter steht auch der Gedanke, Lösungen für die ärztliche Versorgung im dünn besiedelten ländlichen Raum zu finden.

Bundesweit gehört zu einer angemessenen medizinischen Versorgung von Flüchtlingen auch ein ausreichender Impfschutz. Die Überprüfung des Impfstatus erfolgt auch in Brandenburg im Rahmen der medizinischen Erstuntersuchung. Auch im Nachbarland, wo im Moment rund 13 700 Asylbewerber, 8650 Flüchtlinge und rund 2000 Asylberechtigte und Schutzbedürftige leben, gab es bereits Ausbrüche von Infektionskrankheiten in Gemeinschaftsunterkünften. Doch auch dort gebe es bisher keinen Hinweis darauf, dass sich Asylsuchende und Flüchtlinge weniger oft impfen lassen als die Brandenburger, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.