Wurde doch klar, wie sich die rot-rot-grüne Stadtratsmehrheit den Wohnungsbau in der Landeshauptstadt vorstellt: Wohnungen ja und möglichst viele, aber Lofts für Reiche, igitt!

Doch wirklich positioniert hat sich keiner der sechs Kandidaten im Run auf das Dresdner Rathaus. Die FDP, die den aussichtsreichsten Kandidaten, Dirk Hilbert, stellt, ließ zwar einen Solidaritäts-Frühschoppen für die unglückliche Bauherrin steigen. Der Kandidat selbst hält sich indes lieber zurück. Auf den Plakaten wirbt der 43-jährige Erste Bürgermeister mit seinem Gesicht, seiner Familie, aber nicht mit seiner Partei. Die Kandidatin des Linksbündnisses, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD), regte sich zwar über die Überreaktion der baggernden Lady auf. Aber wirkliche Argumente gegen das Projekt kamen keine.

Ohnehin dreht sich dieser Wahlkampf nicht um Sachfragen, sondern um Kandidaten. Stanges Anhängerschaft kämpft im Netz. Hilbert kämpft im Rathaus. Der CDU-Kandidat Markus Ulbig kämpft auf dem Fahrrad. Von den drei wirklich aussichtsreichen der insgesamt sechs Bewerber ist Ulbig derjenige mit den schlechtesten Aussichten. Sachsens Innenminister wollte nicht kandidieren, er sollte. Auf Wunsch der Partei, die die letzte CDU-regierte Landeshauptstadt halten will. Doch Ulbig machte keine gute Figur in diesem Wahlkampf. Es gelang ihm nicht, das Thema Weltoffenheit souverän zu bespielen. Dabei hat der 51-Jährige darin gute Referenzen aus seiner Zeit als OB von Pirna. Wenn das eintritt, was jetzt schon alle erwarten, wird Ulbig im zweiten Wahlgang zurückziehen und Hilbert stärken.

Wenig zu erwarten ist von der AfD, ihr Kandidat Stefan Vogel war in den vergangenen Wochen praktisch nicht wahrnehmbar. Auch die Pegida-Kandidatin dürfte wenig beschicken. Tatjana Festerling verzettelte sich im Kleinkrieg mit der Presse, statt Debatten mitzugestalten. Die ebenfalls zur Wahl stehende Drag Queen Lara Liqueur von der Spaßpartei "Die Partei" will nicht wirklich Oberbürgermeister werden, ist aber mit viel Witz dabei.