| 02:45 Uhr

"Immer wieder bedrohliche Situationen"

Petra Pau
Petra Pau FOTO: dpa
In ihrem Bezirk Berlin-Hellersdorf setzt sich die Linke Petra Pau engagiert für Flüchtlinge ein. Deshalb hat auch die Bundestags-Vizepräsidentin schon Morddrohungen erhalten. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU fordert Pau mehr Unterstützung.

Frau Pau, auch Sie haben Morddrohungen erhalten. Wie gehen Sie damit um?
Das ist für mich keine neue Situation. Im Prinzip seit Herbst letzten Jahres wird massiv versucht, mich einzuschüchtern. Mit Briefen, E-Mails, über soziale Netzwerke. Auch gab es immer mal wieder bedrohliche Situationen bei meinen Veranstaltungen. Trauriger Höhepunkt war kürzlich die Demonstration eines Mobs vor meiner Wohnungstür. Allerdings widerfährt das nicht nur mir, sondern Politikern aller Ebenen. Und auch gerade Bürgern, die sich für andere einsetzen.

Steigt die Zahl der Beschimpfungen immer nur dann, wenn es um Flüchtlinge geht?
Das kann man so nicht sagen. Mein Eindruck ist, dass die Uni Bielefeld 2011 mit ihrer Langzeitstudie ,Deutsche Zustände' recht hat: Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nimmt quer durch die Gesellschaft zu. Außerdem ist die Akzeptanz von Gewalt zur Lösung von Problemen größer geworden. Die massiven Bedrohungen, die ich erlebe, aber auch Bodo Ramelow oder der Bürgermeister von Tröglitz, sind für mich Ausdruck dieser Erkenntnis.

Fordern Sie mehr Schutz für Politiker aller Ebenen?
Ich will keine Änderung des Versammlungsrechts. Aber für mich ist klar: Wer gegen meine Flüchtlingspolitik demonstrieren will, der soll das tun. Das muss aber nicht vor meinem Haus stattfinden, in dem auch noch 30 andere Familien wohnen. Das muss der Staat gewährleisten - ob bei mir in Berlin-Hellersdorf, in Tröglitz oder sonstwo.

Mit Petra Pau

sprach Hagen Strauß