Der Boom an den Musikschulen geht weiter. Über einen Schülerrekord von 64 000 können sich die öffentlichen Musikschulen in Sachsen freuen. Innerhalb von 25 Jahren haben sich die Kinder, die ein Instrument lernen, nahezu verdoppelt. Auch auf dem Land, wo die Schüler insgesamt weniger werden, ist der Drang zum Instrument über die Jahre kontinuierlich gestiegen.

Lange Wartelisten

Das gleiche Bild bietet Brandenburg, wo die 35 öffentlichen Musikschulen mit 35 000 Schülern mehr als ausgelastet sind. Inzwischen werden die Wartelisten immer länger - in beiden Ländern warten Tausende Schüler auf ihren Wunschplatz.

Die hohe Nachfrage nach Musikunterricht ist auch Zeichen dafür, dass geförderte Einstiegsprojekte greifen. "Die Musikschulen gehen vermehrt Kooperationen mit Grundschulen ein und erreichen damit ein breites Spektrum an Jugendlichen", sagt Sophie Müller vom Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg (VDMK).

Geförderte Projekte

Das von Bund und Land geförderte Projekt "Klingende Kita" führt Kinder zwischen drei und sechs Jahren ans Musikmachen heran. Daran schließt das Grundschul-Programm "Klasse! Musik" an.

In Sachsen besucht mittlerweile jeder zehnte Grundschüler eine öffentliche kommunale Musikschule. An die restlichen 90 Prozent richten sich Programme wie "Jedem Kind ein Instrument" (JeKi).

Mehr als 11 000 Erst- und Zweitklässler erhielten mit JeKi seit seiner Einführung 2009 kostenlosen Unterricht. Die Idee: Wo Musikschulen weit entfernt sind, geht der Musikunterricht mit dem normalen Schulunterricht zusammen. Bei Erst- und Zweitklässlern hat das bis jetzt gut funktioniert. Nun hat die Stiftung Musik in Sachsen den JeKi-Unterricht auch auf die 3. Klassen ausgeweitet. JeKi findet als fakultativer Unterricht in den Räumen der Grundschule statt. Der Musikschulverband (VdM) ist zentraler Ansprechpartner für alle Kooperationspartner, Projektschulen und Teilnehmer.

Das treibt zwar nicht mehr Schüler an die Musikschulen, soll es aber primär auch nicht. "Ziel ist, diejenigen Schüler, die oder deren Eltern von sich aus nicht zur Musikschule kommen würden, über den normalen schulischen Musikunterricht hinaus mit Musik vertraut zu machen", sagt Jörg Clemen, Geschäftsführer des Musikschulverbands in Leipzig. "Das allerdings klappt sehr gut." Nach einer Pilotphase läuft das JeKi seit 2015 als dauerhaftes Programm. Sachsenweit machen 50 Grundschulen mit. 425 000 Euro lässt der Freistaat in diesem Jahr dafür springen. Seit Beginn des Projektes sind aus dem Landestopf mehr als 2,7 Millionen Euro in das Projekt geflossen.

Die klassische Musikausbildung setzt auf Klavier, Gitarre und Violine, die nach wie vor die meisten Schüler und Eltern wählen. Doch die Klassiker allein lösen in der Breite nicht unbedingt dauerhafte Begeisterung fürs Musikmachen aus. Für viele Musikschulen habe sich ausgezahlt, dass sie den Anschluss an populäre Musik gewagt haben, meint Sophie Müller.

Initiative sammelt Unterschriften

Mit dem Boom fordern Brandenburgs Musikschulen eine bessere Finanzierung durch das Land. Die Initiative "Musische Bildung jetzt" sammelte dafür Ende 2014 mehr als 35 000 Unterschriften. Das Land, so die Initiative, investiere lediglich 2,6 Millionen Euro im Jahr für die Musik- und Musikhochschulen - im Unterschied zu fünf bis 30 Millionen in anderen Bundesländern.

Sie kritisiert, dass die Landesförderung seit 15 Jahren nicht an die gestiegenen Schülerzahlen und die Tariferhöhungen angepasst worden sei. Mehr Geld soll es erst ab 2017 geben - 2,1 Millionen hat die rot-rote Koalition dafür lockergemacht.