Die Erstbesteigung des völlig vereisten Himalaya-Riesen Num Ri (6677 Meter) gehört in jüngster Vergangenheit ebenso zu den hervorragenden Leistungen wie der äußerst schwierige Auf- und Abbau von Hochlagern beim Gipfelsieg am 8201 Meter hohen Cho Oyu. Dabei sind sich die männlichen Kollegen einig: Frauen wirken bei solch harten Touren motivierend.
Auch die medizinische Betreuung und wissenschaftliche Tätigkeit bei mehr als einer Hand voll Himalaya- und Karakorum-Expeditionen bewältigen Bergsteigerinnen zuverlässig. Diese Aufgabe übernahm Jana Odrich für die Expedition "leipzig goes to everest", die gegenwärtig am höchsten Berg der Erde (8848) unterwegs ist. "Ich habe 2002 und 2003 bereits im Himalaya Bergsteiger medizinisch betreut, zum Teil mit Höhenkrankheit und nach einem Absturz", sagt die Leipzigerin. Allen, die sie damals behandelt habe, gehe es heute wieder gut.
Für die aktuelle Expedition hat die Medizinstudentin extra ihr einjähriges Klinikpraktikum unterbrochen. Nach den Worten von Teamchef Olaf Rieck übernimmt Jana Odrich am "alpinen Olymp" auch das Management im Basecamp und die Kommunikation mit der Heimat. Natürlich will Odrich auch sehen, wie hoch sie selbst am Everest steigen kann.
Allerdings sei der Everest ohne künstlichen Sauerstoff eine Nummer zu groß für sie, schätzt die 31-Jährige ihre Chancen realistisch ein. "Ich will nicht zum Gipfel kommen und finde, der Südsattel mit 8000 Metern Höhe ist schon ein gewaltiges Ziel. Wenn ich bis dahin komme, werde ich mehr als zufrieden sein", sagt Odrich, die seit 1990 Klettern und Bergsteigen geht. Die Be steigung eine "kleinen und "einfachen" Achttausenders traue sie sich schon "mit dem nötigen Respekt vor dem Berg" zu. "Leipzig goes to everest" ist für Jana Odrich zwar die erste Expedition an einen Achttausender, aber mehrere Touren in den Himalaya stehen schon in ihrem Bergfahrtenbuch. Der Island Peak (Imja Tse, 6189 Meter) ist ihr bislang höchster Gipfel.
Nun hofft sie, noch höher zu gelangen. "Frauen können am Berg ebenso ihren "Mann" stehen wie das vermeintlich starke Geschlecht", ist die Sächsin überzeugt. Die bisherigen Leistungen sächsischer Bergsteigerinnen belegen das. So soll es auch künftig sein.