Indisches Springkraut ist an deutschen Gewässern inzwischen ebenso normal, wie der Staudenknöterich aus Ostasien. Beide Pflanzen wachsen schnell und bedrohen dadurch auch heimische Arten. Aber nicht alle Pflanzen und Tiere, die es aus fernen Ländern in deutsche Ökosysteme schaffen, sind schädlich. Die meisten davon wurden schließlich von Menschen bewusst in Deutschland angesiedelt.

"Von 100 Arten, die es in eine neue Region schaffen, können sich nur zehn Arten dauerhaft dort etablieren. Und von diesen zehn exotischen Arten kann nur etwa eine zum Problem werden", erklärt Detlef Knuth, Direktor des Naturkundemuseums in Potsdam. Dort gibt es eine Dauerausstellung mit dem Titel "In der Spur des Menschen", die sich mit biologischer Invasion befasst. Nur durch den Menschen können die meisten Tiere ihr angestammtes Gebiet verlassen. "Die Globalisierung und verkürzte Transportwege sind der Hauptgrund. Da überleben jetzt viele Arten, die früher nicht zu transportieren waren", erklärt der Museumsdirektor.

Dem stimmt auch Andreas Piela, Referatsleiter für Artenschutz beim brandenburgischen Umwelt-Ministerium, zu. Exotische Arten würden sich vor allem entlang von Straßen, Schienen und über Häfen verbreiten. Er unterscheidet die Exoten in Neubürger, die keinen Schaden im hiesigen Ökosystem anrichten, und invasive Arten, die heimische Arten verdrängen könnten. Beispiele für unschädliche Neubürger und invasive Arten in der Region sind:

Späte Traubenkirsche: Die Pflanze aus Nordamerika breitet sich besonders in Kiefernforsten aus. Ursprünglich kam sie nach Europa, um Gärten und auch Wälder zu schmücken, verdrängt aber inzwischen auch heimische Pflanzen, schildert Axel Heinzel-Berndt vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Daher gilt sie als invasive Art. Das Problem ist aber überschaubar, weil man mit einfachen Mitteln verhindern kann, dass die Pflanze überhandnimmt, sagt Andreas Piela. Die Pflanzen werden, wenn sie vermehrt auftreten, herausgerissen oder durch andere Pflanzen gezielt beschattet.

Auch die Robinie hat sich stark ausgebreitet. Sie ist eines der besten Beispiele dafür, dass sogenannte Neubürger sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringen. "Sie ist ein wunderbares Gewächs für die Honigbiene", erläutert Piela, weil die stark duftenden Blüten reichlich Nektar bieten. Gleichzeitig verbessert sie die Bodenqualität. Aber gerade das kann auch zu Problemen führen. Denn dadurch, dass sie die Bodeneigenschaften verändert, greift sie in das Ökosystem ein und lässt so andere seltene Pflanzen eingehen, macht der BUND deutlich.

Marderhunde, Minke und Waschbären sind häufige Exoten. Das erkennt man schon alleine an den Jagdzahlen. Im Jahr 2013 wurden 20 274 Waschbären, 6010 Marderhunde und 282 Minke in Brandenburg erlegt. Die drei Arten wurden allesamt für die Pelzzucht eingeführt und richten nun Schaden an. "Die Tiere sind Allesfresser und verzehren auch die letzten Sumpfschildkröten, die wir noch haben", sagt Andreas Piela. Außerdem würden sie bodenbrütende Vögel gefährden.

Die Katzenwelse kamen aus Nordamerika. Sie haben in den deutschen Gewässern kaum Feinde. Fischwirte siedelten sie an, da sie in ihrer Heimat als schmackhafte Speisefische gelten. Hier werden die Tiere allerdings nicht besonders groß. In einigen Gewässern der Lausitz ist der Fisch im vergangenen Jahr massenhaft aufgetreten. "Dabei handelt es sich bisher aber um ein lokales Problem", erklärt Piela. In anderen Teilen Brandenburgs sei der Fisch nicht zu bemerken. Da er sich noch nicht allzu weit ausgebreitet habe, könne man den Exoten durch gezielte Befischung wahrscheinlich wieder loswerden.

Silberreiher kommen seit ein paar Jahren aus Südeuropa nach Brandenburg. "Sie brüten hier zwar noch nicht, aber das kann sich schnell ändern", macht der Potsdamer Referatsleiter klar. Durch ihre hellere Farbe sind sie besonders schön anzusehen und unterscheiden sich deutlich von in der Region beheimateten Graureihern.

Welche anderen exotischen Tiere noch in die Lausitz kommen, kann man nicht vorher sagen. Allerdings ist nach Ansicht der Umweltexperten einiges möglich. "Denkbar sind zum Beispiel Kängurus", sagt Museumsdirektor Knuth. Die Tiere würden den Winter leicht überstehen, weil es im australischen Outback ebenfalls sehr kalt werden kann, und sie hätten hier kaum Feinde. Würden genug Tiere durch Menschenhand in die Natur gelangen, könnten sie sich also durchaus in der Lausitz etablieren.