Wie wird Armutsgefährdung gemessen?
Als armutsgefährdet gilt nach der EU-Definition, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung seines Landes auskommen muss. Dazu gibt es zwei Statistiken: Die jährliche Haushaltsbefragung Mikrozensus sowie "Leben in Europa" (EU-Silc). Beim Mikrozensus wird stichprobenartig nach dem Einkommen des Vormonats gefragt. Danach lag die Armutsschwelle 2013 bei monatlich 892 Euro für einen Alleinlebenden. 15,5 Prozent der Menschen waren von Armut bedroht. EU-Silc beziffert die Armutsgefährdungsquote für Deutschland auf 16,1 Prozent und legt das Einkommen des Vorjahres zugrunde. Die Schwelle für einen Einpersonenhaushalt beträgt danach 979 Euro.

Wie ist das Armutsrisiko für Ältere?
Das Armutsrisiko von Menschen im Rentenalter ist laut Mikrozensus 2013 stärker gestiegen als im Bevölkerungsdurchschnitt und hat den höchsten Stand seit Einführung dieser Statistik 2005 erreicht. Bei den Rentnern im Westen der Republik (ohne Berlin) ist der Anteil armutsgefährdeter Menschen bereits etwas höher als in der gesamten Bevölkerung.

Wie sehen die Zahlen im Einzelnen aus?
Die Statistiker unterscheiden zwischen Rentnern in Ost und West. Danach ist im Westen fast jeder siebte Ältere (14,8 Prozent) von Armut bedroht. Das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als die Quote der gesamten Bevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Plus bei den Rentnern 0,8 Punkte, bei der Gesamtbevölkerung 0,5 Punkte. Im Osten ist der Anteil der armutsgefährdeten Rentner mit 12,5 Prozent niedriger als im Westen und deutlich geringer als in der Gesamtbevölkerung mit 19,8 Prozent. Die Quote nahm innerhalb eines Jahres um 0,5 Punkte bei den Rentnern, aber nur um 0,2 Punkte im Bevölkerungsdurchschnitt zu.

Was sind die Gründe?
Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, sagt: "Es kommen immer mehr Menschen in den Rentenbezug, die sehr gebrochene Erwerbsbiografien haben - in Ost - wie in Westdeutschland." Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hebt eine andere Ursache hervor: "Die heute 65 Jahre alten Frauen in Westdeutschland konnten Beruf und Familie nicht miteinander vereinbaren." Daher gehöre Bayern zu den drei Ländern, in denen das Armutsrisiko für Menschen ab 65 Jahren am höchsten ist. "Das Betreuungsgeld wird auch dazu führen, dass die Armut älterer Frauen da später höher ist." Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, nennt das Absenken des Rentenniveaus als Grund.

Welche besonderen Probleme haben ältere Menschen mit wenig Geld?
Alte Menschen kommen besonders schwer aus der Armut wieder raus, mahnen Fachleute. "Viele versuchen das, mit Minijobs und mit noch mehr Sparen, vor allem Frauen, aber da ist nicht mehr viel zu machen, wenn die Rente nicht reicht", sagt VdK-Präsidentin Mascher. Ältere bräuchten meist mehr Geld für Medikamente und medizinische Hilfsmittel sowie für öffentliche Verkehrsmittel und Taxen. "Sie können nicht einfach aufs Fahrrad steigen oder zu Fuß gehen." Energie- und Stromkosten wirkten sich ebenfalls aus. "Wenn bei den Haushaltsberatungen die Heizkosten beim Wohngeld wieder rausgeflogen sind, ist das für die Gruppe besonders hart."

Was fordern Fachleute?
Der Paritätische Wohlfahrtsverband plädiert für einen Masterplan zur Armutsbekämpfung. Dazu gehörten eine Reform des Familienlastenausgleichs, Maßnahmen zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit sowie eine durchgreifende Reform der Altersgrundsicherung. Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus sei "politisch angeordnete Altersarmut". Der AWO fordert auch die Beibehaltung der Rentenquote von 51 Prozent, deutlich weniger Minijobs sowie genug gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Der VdK verlangt, die Regelsätze in der Grundsicherung für Ältere und dauerhaft Erwerbsgeminderte anzuheben. Und Frauen, die eine Mütterrente bekommen, dürften nicht benachteiligt werden, indem die Rente auf die Grundsicherung angerechnet werde.