Zur Schule, ins Krankenhaus, selbst ins nächste Geschäft sind es anderthalb Stunden Fahrt. Zum ersten Mal reist die 44-Jährige nun ins Ausland. Anlässlich der "Fairen Woche" vom 17. bis 30. September fährt sie durch Deutschland und berichtet von ihrer Arbeit.
Denn Ragel Hesselman baut Bio-Rooibostee auf ihrem eigenen Feld an, der über den fairen Handel auch in deutsche Läden kommt. Mithilfe ihrer Kleinbauernkooperative haben sich die Teepflanzer von benachbarten Großfarmen unabhängig gemacht, in der Verarbeitungsanlage wird der doppelte Mindestlohn gezahlt.

Langfristige Verträge und Preise
Mit mehr als 1000 Veranstaltungen soll während der "Fairen Woche" gezeigt werden, wie der faire Handel mit langfristigen Lieferverträgen und Preisen über dem Weltmarkt die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Produzenten wie der schwarzen Südafrikanerin Ragel Hesselman verbessert. Allein über den deutschen Markt erhielten Bauern und Genossenschaften in Afrika, Asien und Lateinamerika im Jahr 2006 rund 20 Millionen Euro Direkteinnahmen.
In diesem Jahr stehen Afrika und seine Produkte im Mittelpunkt der Veranstaltungen: Wein und Rooibostee aus Südafrika, Blechspielzeug aus Madagaskar, Datteln aus Tunesien. Unter dem Motto "Afrikanissismo" wird getrommelt, Geschichten erzählt, Schokolade genascht. Fernsehköchin Sarah Wiener steuert ein Rezept bei: Lammschulter mit Süßkartoffeln, Kakao und Couscous. Und zur Eröffnung in Berlin ist eine äthiopische Kaffeezeremonie mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) geplant, bei der die Kaffeebohnen über glühenden Holzkohlen geröstet werden.
Fairer Handel boomt. Der Umsatz in Deutschland erhöhte sich 2006 um die Hälfte auf 110 Millionen Euro, auch wegen der umstrittenen Zusammenarbeit mit Discountern. Hauptumsatzträger bleiben Kaffee, Bananen und Süßwaren. Bei Schokolade und Keksen gebe es stetige Zuwächse, sagt Claudia Brück, Pressesprecherin von Transfair. Der Verein vergibt das Fairtrade-Siegel kontrolliert Zulieferer. Neu in Deutschland sind seit August Jeans, T-Shirts und Handtücher aus fair gehandelter Baumwolle. Als nächstes ist die Einführung fairer Spielzeuge und Kosmetika geplant.
Premium-Kaffeesorten oder neue Weinsorten sind nach ihrer Einschätzung gefragt: "Das Besondere wird gesucht." Die Qualität der Produkte ist wichtiger geworden. "Ausschließlich fair reicht nicht mehr aus", sagt auch Brigitte Frommeyer von der kirchlich getragenen gepa, nach eigenen Angaben größte faire Handelsorganisation Europas.

Transparenz und Kontrolle
Rund 60 Prozent der von der gepa vertriebenen Lebensmittel haben auch Bio-Qualität. Durch den direkten Kontakt mit den Produzenten könne der faire Handel für Transparenz und ständige Produktkontrolle sorgen. Das werde in Zeiten von Lebensmittelskandalen und steigenden Preisen für Nahrungsmittel stärker gewürdigt. "Wir wollen ja gute Produkte bieten und nicht einfach einen Solidaritätszuschlag erbitten", sagt sie.