Während in Europa, Russland und China mit unterschiedlichen Strategien versucht wird, einen Irak-Krieg doch noch abzuwenden, erscheint die arabische Welt wie gelähmt. "Ich bin angewidert. Millionen stellen sich in Europa gegen den Krieg, und was ist mit uns? Was ist unsere Position? Wer hat gesagt, dass wie eine großartige Nation und die Nachfahren der Pharaonen sind? Wir sind Feiglinge", rief Ägyptens bekanntester Filmregisseur, Youssef Chahine, vergangene Woche zornig bei einer Sitzung der ägyptischen Pressevereinigung aus. Seine Empörung teilen viele Araber.

Bei einem Treffen linker Intellektueller in Kairo vor einigen Tagen herrschte tiefe Depression. "Ein Skandal, dass sich in Kairo nur dreihundert Leute zu einer Anti-Kriegs-Demonstration vor einer Moschee versammeln ...", jammern sie. Allein durch die harte Hand der Staatsmacht - vor der Kairoer Moschee von Sajjida Zeinab warteten 3000 Polizisten auf die Demonstranten - lasse sich diese Apathie der Araber nicht erklären.

Zwar hat Ägyptens Präsident Husni Mubarak in den vergangenen Tagen in Berlin und Paris für seinen Anti-Kriegs-Kurs geworben und auch der saudische Außenminister Prinz Saud el Faisal hat in Washington und anderswo die ablehnende Haltung Saudi-Arabiens zu einem Krieg bekundet. Doch auf eine gemeinsame Haltung im Irak-Konflikt haben sich die Araber bislang nicht geeinigt. Das trat auf der Außenministersitzung der Arabischen Liga jetzt deutlich zu Tage.

Selbst auf einen Irak-Sondergipfel, zu dem Mubarak für die letzte Februar-Woche eingeladen hatte, konnten sich die arabischen Staaten nicht einigen. Stattdessen wollen sie sich nun am 1. März in Kairo zu einem "regulären Gipfel" treffen, bei dem auch die israelischen Militäraktionen in den Palästinensergebieten und mehrere andere Themen zur Sprache kommen sollen.

Auch 1990 nach der irakischen Invasion in Kuwait war die arabische Welt politisch in zwei Lager gespalten gewesen - auf der einen Seite diejenigen, die den Konflikt mit militärischen Mitteln lösen wollten und auf der anderen Seite Staaten wie Jordanien, die Präsident Saddam Hussein mit diplomatischen Mitteln zur Besinnung bringen wollten. Wie beim jüngsten Treffen der Arabischen Liga deutlich zu beobachten war, verläuft der Graben heute zwischen den Öl-Monarchien am Persischen Golf, die ihr Staatsgebiet für den US-Truppenaufmarsch zur Verfügung gestellt haben, und dem Rest der arabischen Welt.

"Das kommende Gipfeltreffen wird von historischer Bedeutung sein, denn sie (die arabischen Staatschefs) können eigentlich nichts anderes tun, als ihrer Verantwortung gerecht zu werden und Entschlüsse zu treffen, die dem Ernst der Lage gerecht werden", fordert die jemenitische Zeitung "Al-Thawra". "Die arabische Straße" werde es nicht akzeptieren, wenn sich die Führer nicht auf eine gemeinsame Anti-Kriegs-Haltung einigen können.

Doch die meisten arabischen Herrscher scheinen sowieso zu glauben, dass sie den Krieg nicht mehr verhindern können. Stattdessen sollen sie nach arabischen Medienberichten in Washington vorstellig geworden sein, um wenigstens zu verhindern, dass es im Irak nach einem Sturz von Saddam Hussein zu gefährlichen demokratischen "Experimenten" kommt.

"Ich bin gegen den Krieg und ich bin gegen Saddam", meldete sich der 91 Jahre alte ägyptische Literaturnobelpreisträger Naguib Mahfus vor einigen Tagen in seiner Kolumne in der Zeitung "Al-Ahram" zu Wort. Seinem Freund Mohammed Salmawy, der die Gedanken des schwerhörigen und fast blinden Autors niederschreibt, diktierte er folgendes in die Feder: "Der (Irak-)Krieg, in seinen zu erwartenden Ausmaßen, wird große Zerstörung anrichten, nicht nur im Irak, sondern in der gesamten arabischen Region ... . Gleichzeitig ist Saddams Regime die eindeutige Verkörperung all dessen, was schlecht ist in der arabischen Politik - es ist ein gedankenloses, autokratisches Unterdrückerregime".