Aber zurück zum Mittwoch und dem Text, den Ness seinen Kollegen vorlegte. Gleich der erste Absatz hatte es in sich: "Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass der Landtag den Abgeordneten Galau nicht zwei Mal, wie von der Antragstellerin dargelegt, sondern im April 2015 noch ein drittes Mal abgelehnt hat." Deutlicher kann man seine Meinung zu diesem Verfahren kaum zum Ausdruck bringen - zumal Abgeordnete selbstverständlich das Recht haben, bei der geheimen Wahl von Kandidaten in ein Gremium sich auch frei und geheim gegen einen Kandidaten zu entscheiden. Alles andere wäre ja keine Wahl, sondern nur ein Abnicken. Und dann führte Ness in seinem Text auch noch aus, dass der AfD im Präsidium und in der Beratung der Parlamentarischen Geschäftsführer des Landtags mehrfach anheimgestellt wurde, "dem Plenum eine Person vorzuschlagen, bei der eine rechtsextreme Vergangenheit ausgeschlossen sei".

Im Hauptausschuss stieß der Text des Landtags für das Verfassungsgericht überwiegend auf Zustimmung. CDU, SPD, Grüne und Linksfraktion stimmten ihm ausdrücklich zu. Die Freien Wähler enthielten sich. Und die AfD? Ihr Vertreter Thomas Jung äußerte sich während der Debatte zu diesem Tagungsordnungspunkt nicht mit einer Silbe. Doch statt am Ende mit "Nein" zu stimmen, und die Verteidigungsschrift des Landtags gegen die eigene Verfassungsklage zurückzuweisen, stimmte auch er am Ende mit "Enthaltung".

Was unter Beobachtern für einige Verwunderung sorgte: Denn eine etwas entschiedenere Gegenposition wäre im Blick auf die eigene Klage der AfD wohl irgendwie cleverer gewesen. Aber Abgeordnete sind eben in all ihren Entscheidungen völlig frei und unabhängig.