"Der Mangel an Nahrung verkürzt das Leben einzelner Bienen und macht sie anfälliger für Krankheiten. Darunter leidet schließlich das ganze Volk", erläuterte Radtke. Obwohl die Honigbiene für den Ackerbau wichtig sei, werde sie von den Landwirten leider noch viel zu oft als Selbstverständlichkeit hingenommen. Darum würden die Lebensbedingungen der Bienen meist zu wenig oder gar nicht gefördert. "Dazu trägt sicherlich auch die Landwirtschaftspolitik bei", kritisierte der Experte.
Diese führe zum großräumigen Anbau weniger Kulturen - besonders Getreide einschließlich Mais für die Biogaserzeugung, eingeschränkter Bodenbearbeitung und dem dadurch zusätzlich erforderlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
"Dagegen ist der Anbau blühender Zwischenfrüchte fast völlig verschwunden, Ackerrandstreifen und Windschutzhecken finden nur eine kleine Lobby", klagte Radtke. Aber gerade Honigbienen könnten die Erträge im Obstbau, im Raps und in der Sonnenblume auf rein biologischem Wege beträchtlich steigern. "Dafür brauchen sie jedoch als Gegenleistung den ganzen Sommer über Nahrung." Und nach der goldenen Rapsblüte werde es meist eng in der Feldflur.
"Jeder kann etwas für die wichtigen Blütenbestäuber tun, indem er einheimische Pflanzen wie zum Beispiel Küchenkräuter auf seinem Balkon pflegt", rät Radtke. Auch in Gärten machen sich blühende Sträucher, Kräuter und Stauden besser als Nadelhölzer und grüner Rasen. Zudem erfordern Blütenpflanzen weniger Pflegeaufwand. Und manche Stadtverwaltung setzt wieder verstärkt auf die Pflanzung von Ahorn, Robinien und Linden. "Gut ernährte Bienen können im nächsten Jahr Obstbäume und Wildpflanzen bestäuben." Reiche Ernte und viele Wildfrüchte für die heimischen Tiere seien der Lohn.