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| 02:42 Uhr

Imame in Deutschland unter Spionageverdacht

Karlsruhe. Wegen der Spitzel-Vorwürfe gegen den türkisch-islamischen Moscheeverband Ditib haben Ermittler die Wohnungen von vier Imamen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht. Dabei seien Datenträger, Kommunikationsmittel und Unterlagen sichergestellt worden, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe. dpa/uf

Festnahmen gab es nicht.

Die Geistlichen stehen im Verdacht, Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt und an das türkische Generalkonsulat in Köln berichtet zu haben. Die türkische Führung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Putsch verantwortlich.

Die Sprecherin sagte, die Beweismittel würden nun ausgewertet und darauf geprüft, ob sich der Verdacht weiter erhärten lasse. Die bisherigen Erkenntnisse hätten für Haftbefehle des Ermittlungsrichters am Bundesgerichtshof (BGH) nicht ausgereicht.

Wer die Beschuldigten sind und wo genau die Durchsuchungen am Mittwochmorgen stattfanden, sagte sie nicht. In Rheinland-Pfalz gab es nach Informationen aus Ermittlerkreisen einen Einsatz in der Ortschaft Fürthen im Westerwald, wo es eine Ditib-Moschee gibt.

Der Einsatz geht zurück auf eine Anzeige, die der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, im Dezember wegen Spionageverdachts gestellt hatte. Nach den Worten der Sprecherin wurden auch Auskünfte bei Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst (BND) eingeholt.

In einem Brief der Religionsbehörde Diyanet waren Mitarbeiter der Konsulate aufgefordert worden, über ihre Kanäle Informationen zu Aktivitäten der Gülen-Bewegung zu liefern. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga hatte später erklärt, "einige wenige Ditib-Imame" seien fälschlicherweise diesen Anweisungen gefolgt. Er sprach von einer Panne, die der Verband bedauere. Unter dem Dach der 1984 gegründeten Ditib sind rund 900 türkisch-islamische Vereine in Deutschland organisiert.

Nach Erkenntnissen des NRW-Verfassungsschutzes lieferten aus dem Bundesland mindestens 13 Imame Informationen nach Ankara. An Diyanet seien Namen von 33 bespitzelten Personen und elf Institutionen aus dem Bildungsbereich gemeldet worden, sagte Verfassungsschutzpräsident Burkhard Freier jüngst.

Zum Thema:
Die türkische Religionsbehörde Diyanet hat mehr als 1000 Islamgelehrte an die rund 900 Ditib-Moscheevereine in Deutschland entsandt. Darunter sind laut Diyanet etwa 906 Imame und 116 weibliche Islamgelehrte. Letztere verrichten ihre Arbeit etwa als Religionslehrerinnen oder Seelsorgerinnen. Sie führen die Gemeinde aber - anders als die Imame - nicht beim Gebet. Imame sind in der Türkei Staatsbedienstete. Diyanet schickt Islamgelehrte auch in andere Länder.