Die Absage des Länderspiels Deutschland-Niederlande am Dienstagabend in Hannover durch die Sicherheitsbehörden ist gestern politisch weithin unterstützt worden, obwohl eine Bombe nicht gefunden wurde. Die Behörden hätten die richtige Entscheidung getroffen - "im Zweifel für die Sicherheit", sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einer Sitzung des sogenannten Sicherheitskabinetts in Berlin. Wie viele Politiker appellierte auch sie an die Bevölkerung, sich trotz der Ereignisse das normale Leben nicht nehmen zu lassen. Die Bundesliga will ihren Spielbetrieb am Wochenende regulär weiterführen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bestätigte, dass der Hinweis auf ein mögliches Attentat beim Länderspiel von einem ausländischen Geheimdienst kam. Er habe am Dienstagmittag die Information erhalten, dass "innerhalb der nächsten 48 Stunden ein Anschlag auf ein Sportereignis in Deutschland stattfinden sollte oder könnte", sagte der CSU-Politiker. Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe erklärte: "Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte." Eine Bombe wurde in Hannover in der Nacht jedoch nicht gefunden; am Bahnhof wurde allerdings eine Bombenattrappe zerstört, die ein Unbekannter in einem Zug abgelegt hatte. Auch zu Festnahmen kam es nicht. Medieninformationen, dass am Stadion ein "Gefährder" gesichtet worden war, wurden nicht bestätigt. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) gab für die Hannoveraner Bevölkerung gestern wieder Entwarnung. "Es gibt Stand heute keine akuten, keine konkreten Hinweise darauf, dass eine weitere Gefährdung in Hannover besteht", sagte er.

Nach Einschätzung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen ist die Sicherheitslage ernst. "Wenn der IS Terroranschläge in Deutschland durchführen kann, wird er es tun." Deutschland sei ein Feind des IS. Trotzdem solle man Großveranstaltungen ohne konkrete Anschlagshinweise nicht absagen.

Laut BKA-Präsident Holger Münch gehören inzwischen 43 000 Personen in Deutschland der islamistischen Szene an, davon gelten 400 als konkrete Gefährder. Ein Drittel der nach Syrien zum IS gegangenen 850 deutschen "Dschihadisten" sei inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt, sagte Münch gestern bei einer Fachtagung in Mainz.

Die Entscheidung zur Spielabsage hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstagabend bei einem gemeinsamen Flug mit Kanzlerin Angela Merkel zum Spiel nach Hannover und nach Rücksprache mit den niedersächsischen Behörden getroffen. Die Empfehlung sei ihm "nicht leicht gefallen", sagte er. Doch hätten sich die Hinweise immer mehr verdichtet. Angela Merkel betonte in Berlin, es sei möglich, "dass wir weiterhin große Veranstaltungen durchführen und uns an diesen Veranstaltungen erfreuen können".

Am Tag nach dem Terroralarm in Hannover ermittelt die Polizei wegen des Vorbereitens eines Sprengstoffanschlags gegen unbekannt. Die Staatsanwaltschaft Hannover werde prüfen, ob sie die Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft vorlegt, sagte der Einsatzleiter, Hannovers Polizeivizepräsident Thomas Rochell.

Mehr als 2000 Beamte, darunter viele Spezialkräfte, hätten bei ihrem Einsatz mehrere Hundert Menschen und Fahrzeuge überprüft, ohne irgendetwas Gefährliches zu entdecken. Nach der Warnung, dass mit einem Terroranschlag auf das Länderspiel zu rechnen sei, seien sämtliche Fahrzeuge, auch von Hilfsdiensten, im Stadionbereich akribisch untersucht worden.