Von Frankfurt (Oder) über Lübben, Luckau, Schlieben und Herzberg bis nach Leipzig: Das sind die Stationen, auf denen sich ein Teilstück des historischen Jakobsweges durch die Lausitz schlängelt. Im Mittelalter schon wanderten Adlige und Betuchte auf den damaligen Handelsrouten in Richtung Santiago de Compostela - an das Grab des Heiligen Jakobus. Durch die Reformation und unzählige Kriege brach der Pilgerstrom aber ab. Erst 1987 rückte der Jakobsweg wieder stärker in den Fokus, als der 600 Kilometer lange Hauptweg - der sogenannte Camino - in Südfrankreich und Nordspanien als europäische Kulturstraße ausgezeichnet wurde. Und spätestens seit Hape Kerkelings Buch ,,Ich bin dann mal weg" strömen jedes Jahr Hunderttausende Pilger gen Compostela.

2010 werden es sogar noch einige mehr sein, denn im Zielort wird ein ,,Heiliges Jahr" gefeiert: Der Todestag des Apostels Jakob, der 25. Juli, fällt auf einen Sonntag. Deswegen werden aus ganz Europa Pilgerstäbe zusammen mit goldenen Büchern in Richtung Spanien getragen. Heute Abend starten in Frankfurt (Oder) zwei Pilger-Gruppen, die ähnlich wie bei einem Staffellauf einen Stab über Berlin und einen durch die Lausitz nach Leipzig tragen. Von Tag zu Tag wird der Stab dabei von Pilger zu Pilger weitergegeben.

Mitorganisiert hat diese Aktion die Viadrina-Studentin Lara Buschmann, die als Projektkoordinatorin in den vergangenen Jahren auch maßgeblich an der Wiederbelebung des Lausitzer Jakobsweges mitgearbeitet hat. Studenten der Viadrina um den Historiker Ulrich Knefelkamp begannen vor fünf Jahren, die historischen Routen der Jakobs pilger in Brandenburg und Westpolen zu rekonstruieren. Eine ähnliche Route gibt es bereits seit 2003 auch in Sachsen. Dort wird ab der kommenden Woche ebenfalls ein Pilgerstab entlang der ,,Via Regia" über Görlitz, Bautzen und Großenhain nach Leipzig getragen. Mit der Aktion soll eine verbindende Nachricht durch Europa getragen werden. Lara Buschmann: ,,Die Pilgerstaffel lässt eine Menschenkette durch Europa entstehen, die für Solidarität und Vielfalt in Europa steht."

Die RUNDSCHAU wird die Reise des Lausitzer Stabes dabei live begleiten: Die beiden Redakteure Daniel Steiger und Sven Bock werden ab Montag eine Woche lang durch die Region pilgern. Sechs Tagesetappen - zwischen 17 Kilometern von Luckau nach Walddrehna und 31 Kilometern von Herzberg bis nach Torgau - über insgesamt rund 140 Kilometer warten auf die Journalisten. Begleitet werden sie dabei auch täglich von Mitpilgern, die sich bereits im Vorfeld bei der Viadrina angemeldet haben. Aber auch Spontan-Pilger können sich den RUNDSCHAU-Pilgern anschließen. Auf der Homepage der RUNDSCHAU werden sie dann täglich mit Bildern, Texten und sogar Videos von ihren Abenteuern berichten. Und wer sich noch kurzfristig anschließen will, findet dort die aktuellen Startzeiten, Treffpunkte und Streckenverläufe der einzelnen Etappen.