Seither ist es vorbei mit den Fahrten durch das romantische Felsental des Rabenauer Grundes, den Ausflügen durch tiefe Wälder und entlang des Sees in Malter. Gut die Hälfte der 26,3 Kilometer von Freital-Hainsberg bis zum Kurort Kipsdorf, die 1882/83 verlegt wurden, sind zerstört. Ein Totalschaden. Schienen liegen blank auf Felsen, Gleise hängen in der Luft, Stützmauern sind weggerissen, vom Schotter ist kein Kiesel mehr zu sehen.
Doch wann wieder Dampf aufsteigt in der erzgebirgischen Ausflugslandschaft ist ungewiss. Denn während der Wiederaufbau der Müglitztalbahn nächste Woche beginnt, wartet die Touristenattraktion noch auf grünes Licht von der Deutschen Bahn. Deren Konzernbevollmächtigter in Sachsen, Hans-Jürgen Lücking, schätzt die Wiederaufbaukosten auf 20 Millionen Euro. Dabei waren in den 90er Jahren fünf Millionen Euro in die Ertüchtigung der Trasse geflossen.
"Wir stehen zu der Strecke", sagt Bahnsprecherin Kerstin Eckstein. Doch die Finanzierung ist unklar. Schließlich habe die Flut im Bahnnetz Schäden von
850 Millionen Euro angerichtet, der Bund aber nur 650 Millionen zugesagt. Weniger frequentierte Nebenstrecken müssen nun hinter der Sanierung der Hauptachsen wie LeipzigDresden, DresdenPrag und LeipzigChemnitz zurückstehen, sagt Eckstein. Dies bedeute jedoch nicht das Aus für die Weißeritztalbahn. "Die künftige Nutzung ist aber noch offen."
Das Herz der historischen Linie schlägt indes weiter. Die Interessengemeinschaft Weißeritztalbahn hat nach der Flut schon 150 000 Euro Spenden gesammelt, Geld, das aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Ländern kam, erzählt der Vorsitzende der IG, Ralf Kempe. Sein Verein kümmert sich seit vielen Jahren um den Erhalt der 750-Millimeter-Gleise, organisiert Sonderfahrten mit historischen Zügen, pflegt einen alten Salonwagen und die 13 Bahnhöfe. In Eigenarbeit haben die Bahnfans auch einen 700 Meter langen Abschnitt bei Dippoldiswalde wieder hergerichtet. "Die sechs Kilometer bis Seifersdorf sind wieder voll betriebsbereit", sagt Kempe.
Doch die Mühe war vorerst umsonst. Für den Inselverkehr auf dem kurzen Abschnitt gibt die Bahn kein Freifahrt-Signal. Der Betrieb wäre zu teuer. Das Kleinbahnfest zum 120-jährigen Jubiläum fand trotzdem statt - allerdings ohne Hauptdarstellerin. Internet: www.weisseritztalbahn.de