Stolz tritt der Generalsekretär der Arabischen Liga nach dem nächtlichen Außenminister-Treffen vor die Presse. Dabei ist die von den Ministern verabschiedete Erklärung zu Syrien so windelweich formuliert, dass sie letztlich eigentlich gar nichts besagt.

Doch für Nabil al-Arabi ist es schon ein Erfolg, dass niemand unter lautstarkem Protest den Saal verlassen hat. Und dass man sich auf die Kompromissformel einigen konnte, das syrische Regime trage, weil es Chemiewaffen gehortet habe, in jedem Fall die Schuld für die Giftgas-Attacken auf Zivilisten. Denn die arabischen Staaten sind im Syrien-Konflikt mindestens genauso gespalten wie die notorisch zerstrittene syrische Opposition und die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat.

Die Rivalitäten zwischen den syrischen Oppositionellen haben bislang die Gründung eines schlagkräftigen Bündnisses gegen Assad verhindert. Russland und China haben im UN-Sicherheitsrat dafür gesorgt, dass keine internationalen Zwangsmaßnahmen gegen Präsident Baschar al-Assad beschlossen wurden.

Stillstand, wohin man auch schaut - während auf dem syrischen Schlachtfeld täglich Dutzende Menschen sterben. Die Arabische Liga bildet da keine Ausnahme. Die Außenminister fordern nach ihrer Nachtsitzung: Die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft sollten die Schuldigen für den Giftgas-Einsatz bestrafen.

"Wir haben nichts von ihnen erwartet, und genau so kam es dann auch", kommentiert der syrische Oppositionelle Walid al-Bunni das Treffen der Liga in Kairo. Dass der Irak sich gegen jede Einmischung in den Konflikt ausgesprochen habe, sei nicht weiter verwunderlich, meint er: "Schließlich hängt die irakische Haltung von den Entscheidungen ab, die der Iran trifft."

Den Algeriern sagt man nach, sie lehnten einen harten Kurs gegenüber Assad ab, weil sie fürchteten, man könnte eines Tages auch ihnen Sanktionen wegen undemokratischen Verhaltens androhen. Erstaunt habe ihn der hartnäckige Widerstand Ägyptens gegen einen möglichen US-Militärschlag, erklärt Al-Bunni. Samir Aita, ein Mitglied des Syrischen Demokratischen Forums, sieht in dem Kurswechsel Ägyptens einen Versuch, den Einfluss der Bewegung der Muslimbrüder zu beschneiden, die in Kairo vor zwei Monaten von der Macht vertrieben worden war.

"Die Ägypter sind dagegen, denn sie sehen, dass die Muslimbrüder eine sehr dominante Rolle spielen in den syrischen Oppositionsgruppen, im Nationalrat und in der Nationalen Syrischen Allianz. Und sie wollen nicht, dass sich die Herrschaft der Muslimbruderschaft in der Region ausbreitet." Das dürften eigentlich auch die arabischen Monarchen nicht wollen. Denn diese stellten sich, mit Ausnahme von Katar, alle sofort auf die Seite der ägyptischen Generäle, nachdem die Armee Anfang Juli den Muslimbruder Mohammed Mursi aus dem Präsidentenpalast vertrieben hatte. Dass die Golfaraber im Syrien-Konflikt trotzdem den Sturz von Präsident Assad herbeireden, hat andere Gründe. Erstens sympathisiert ein Großteil der Menschen in den Golfmonarchien und in Jordanien mit den syrischen Revolutionären. Zweitens haben die Saudis den Eindruck, dass ihnen die syrischen Muslimbrüder nicht gefährlich werden können, solange diese von ihnen abhängig sind.

Und drittens wollen die Könige und Emire durch einen Regimewechsel in Syrien den regionalen Rivalen Iran schwächen, dessen Verbündeter Assad ist. dpa

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Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt beim G20-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag im Syrien-Konflikt auf Russland. Zwar steht beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in St. Petersburg der Bürgerkrieg nicht offiziell auf der Tagesordnung. Merkel sagte aber am Montag in der Unionsfraktionssitzung laut Teilnehmern, Präsident Wladimir Putin komme in dieser Frage als Gastgeber eine besondere Rolle zu. Sie bekräftigte, dass sich Deutschland nicht an einer Militäraktion beteiligen werde.