Präsident Viktor Juscht schenko hatte seinen Widersacher zuvor per Koalitionsvertrag auf West-Kurs gebracht - Janukowitsch galt seit seiner ersten Regierungszeit von 2002 bis 2004 als Mann Moskaus. Im Spagat zwischen Ost und West traf der frisch gewählte Regierungschef gestern nun zunächst Präsident Wladimir Putin im russischen Badeort Sotschi. Doch wahrscheinlich wird sich unter Janukowitsch nur der Ton in den Beziehungen zwischen Kiew und Moskau wieder ändern - die Probleme bleiben.
Auf dem Weg zu Putins Ferienort am Schwarzen Meer hat der Neue das alte Streitthema Gas im Gepäck. Die Verhandlungen mit dem staatlichen russischen Gaskonzern Gasprom gelten als erste Bewährungsprobe für die neue Regierung. "Janukowitsch wird sich daran messen lassen müssen, ob es ihm gelingt, den Kreml zu einer Verlängerung des im Januar ausgehandelten Gasvertrags zu bewegen", schreibt die ukrainische Tageszeitung "Delo". Das dürfte auch eine Herzensangelegenheit der ostukrainischen Stahlbarone sein, die Janukowitschs Wahlkampf massiv unterstützt haben. Der Kreml ließ vorsorglich mitteilen, die Gaspreispolitik hänge nicht von Personalien der ukrainischen Führung ab. Gasprom verlangt im Gegenzug für billiges Gas die Kontrolle über die ukrainischen Transitpipelines nach Westeuropa. Doch das will in der Ukraine derzeit niemand.
Janukowitsch und Putin trafen sich in Sotschi als alte Bekannte. Der russische Präsident war 2004 mehrfach in die Ukraine gereist, um seinen Protegé Janukowitsch bei der Präsidentenwahl zu unterstützen. Doch die Orangene Revolution zerstörte die Pläne des Kremls, den Wahlfälscher als Nachfolger von Präsident Leonid Kutschma zu installieren.
"Letztlich hat Moskau auf den Richtigen gesetzt und damit einen Sieg errungen", kommentierte die russische Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" die Rückkehr Janukowitschs an die Macht. Doch Wladimir Putin dürfte bald merken, dass auch Janukowitsch handfeste ukrainische Interessen vertritt.
Zumal der Regierungschef sein Vorgehen eng mit Präsident Juschtschenko abstimmen muss, der auch nach der Verfassungsänderung zugunsten des Ministerpräsidenten die Federführung in der Außenpolitik behält. Zwar rückt für den Präsidenten das Ziel einer Nato-Mitgliedschaft nach der Koalitionsvereinbarung mit Janukowitschs Partei der Regionen in weite Ferne. Bei der Frage des angestrebten EU-Beitritts konnte sich Juschtschenko jedoch durchsetzen.
Im Duett mit Juscht schenko hat Janukowitsch mehr Spielraum. "Die Ukraine müsste nur Zugeständnisse an Moskau machen, wenn sie keine anderen Partner mehr hätte", sagt Alexander Suschko vom Institut für nordatlantische Zusammenarbeit in Kiew. Derzeit werden die beiden Viktors aber von Russland und vom Westen umworben.