Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im Januar auf mehr als 4,6 Millionen gestiegen und hat den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Bei den Arbeitsämtern waren 4 623 100 Menschen ohne Beschäftigung gemeldet. Das waren etwa 398 000 mehr als im Dezember und 333 200 mehr als vor einem Jahr, berichtete die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg am Mittwoch. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber Dezember um einen Prozentpunkt auf 11,1 Prozent. Im Januar 2002 hatte sie 10,4 Prozent betragen. In Ostdeutschland waren im Januar 1 725 000 Menschen ohne Beschäftigung gemeldet. Das waren 147 200 mehr als im Dezember und 70 700 mehr als vor einem Jahr. Die Quote stieg auf 19,5 Prozent nach 17,9 Prozent im Dezember und 18,7 Prozent vor einem Jahr. In Westdeutschland erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Dezember um 250 800 auf 2 898 100. Gegenüber dem Vorjahr nahm sie um 262 500 zu. Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,8 Prozent. Im Vormonat und im Vorjahr hatte sie jeweils 8,1 Prozent betragen.

In Brandenburg jeder Fünfte ohne Stelle

Die Arbeitslosigkeit in Brandenburg hat im Januar einen historischen Höchststand erreicht. Ende des Monats waren landesweit 266198 Menschen erwerbslos gemeldet, so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Dies entspricht einer Quote von 19,6 Prozent - ebenfalls ein Rekord. Damit ist in Brandenburg fast jeder Fünfte ohne Stelle.
Das Landesarbeitsamt führte die negative Entwicklung am Mittwoch vor allem auf die schwache Konjunktur und die kalte Jahreszeit gegeben. Angesichts der Wirtschaftsflaute gibt es kaum Hoffnung auf baldige Besserung.
Innerhalb des vergangenen Jahres verschlechterte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nochmals deutlich. Im Januar 2002 gab es in Brandenburg noch 13 700 Arbeitslose weniger. Die Quote stieg um 0,9 Prozentpunkte. Der bisherige Rekord stammte aus dem Februar 1998, als bei den brandenburgischen Arbeitsämtern 258400 Arbeitslose registriert waren.
Weiterhin gibt es innerhalb der Landesgrenzen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Im Berliner Umland liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei 15,1 Prozent. In weiter entfernten Regionen wie der Uckermark oder dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz ist die Lage noch schlechter. Die rote Laterne hielt im vergangenen Monat Prenzlau, wo fast jeder dritte (29,1 Prozent) arbeitslos ist.
Innerhalb des vergangenen Monats verloren in Brandenburg mehr als 23 700 Menschen ihre Stelle. Mittlerweile sind fast 100 000 Brandenburger länger als ein Jahr arbeitslos. Ihre Chancen, zurück in den Beruf zu finden, werden von Monat zu Monat schlechter. Auch die Zahl der jungen Arbeitslosen nahm nochmals kräftig zu. Derzeit sind 31 800 Arbeitslose unter 25 Jahre alt, 2600 mehr als vor einem Jahr.

Auch die Lage auf dem Berliner Arbeitsmarkt hat sich im Januar dramatisch verschlechtert. Erstmals seit der Wiedervereinigung waren in der Hauptstadt mehr als 300 000 Menschen erwerbslos gemeldet, wie das Landesarbeitsamt am Mittwoch offiziell mitteilte. Ende des Monats waren genau 313473 Arbeitslose registriert, 17 000 mehr als vor einem Monat und 22 500 mehr als vor einem Jahr. Dies entspricht einer Quote von 18,5 Prozent. (Vormonat: 17,5 Prozent).

Sachsen meldet Höchststand seit 1998

Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen hat den höchsten Januar-Stand seit 1998 erreicht. 437 151 Frauen und Männer waren Ende des Monats ohne Job, teilte das Landesarbeitsamt am Mittwoch in Chemnitz mit. Die Zahl stieg damit sprunghaft um 41 062 oder 10,4 Prozent im Vergleich zum Dezember und um 2160 oder 0,5 Prozent im Vergleich zum Januar 2002 an. Die an allen Erwerbspersonen gemessene Arbeitslosenquote erhöhte sich damit im Vergleich zum Dezember auf 19,2 Prozent.

Arbeitslosigkeit in Anhalt über 20-Prozent-Marke

Die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt ist im Januar deutlich in die Höhe geschnellt. Die Arbeitslosenquote kletterte um 1,8 Prozentpunkte auf 21,5 Prozent, teilte das Landesarbeitsamt Sachsen-Anhalt-Thüringen am Mittwoch mit. Damit waren 284600 Sachsen-Anhalter ohne Job, 24300 mehr als im Dezember und 8000 mehr als im Vorjahr. Im Monatsvergleich ist das ist ein Anstieg von 9,1 Prozent.
Eine ähnlich drastische Entwicklung wurde vor fünf Jahren verzeichnet, als im Januar 1998 die Arbeitslosenquote auf 23,2 Prozent kletterte. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 20,8 Prozent. Sachsen-Anhalt liegt derzeit knapp um 0,2 Prozentpunkte vor Mecklenburg-Vorpommern auf dem vorletzten Platz der Arbeitslosenstatistik. Als Ursache dafür nannte das Landesarbeitsamt die saisonalen Bedingungen und die Stagnation in der Wirtschaft.
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP) betonte, Die Unternehmen müssten verstärkt junge Menschen einstellen, um sie im Land zu halten. Sachsen-Anhalt helfe Unternehmen unter anderem mit Investitionserleichterungsgesetzen, Investitionsförderungen und zukunftsorientierten Bildungsangeboten. Sachsen-Anhalt solle ein Musterland für Unternehmer werden.