Andererseits ist sie auch lebender Beweis menschlicher Stärke, sich selbst von widrigsten Lebensumständen nicht brechen zu lassen.

Wirklich frei ist sie bis heute nicht, betont sie immer wieder in Interviews. Denn erst kam die Isolation im Keller - und dann das grelle Licht der Öffentlichkeit. Kommende Woche Donnerstag kommt der Film "3096 Tage" über ihre Entführung in die Kinos.

Nur zwei Wochen nach ihrer Flucht im Herbst 2006 verblüfft Kampusch die Welt mit ihrem ersten Fernsehinterview. Die abgemagerte junge Frau mit Kopftuch spricht gefasst und reflektiert, in einem ausgefeilten und mit Fremdwörtern gespickten Deutsch. Dies hat sie in der Gefangenschaft nach eigenen Angaben aus Büchern und dem Radio gelernt. Statt sich von den Medien nur jagen zu lassen, stellt sie sich ihnen. Sie ist von Anfang an nicht so, wie man sich ein gebrochenes Opfer vorstellt.

Gegen diese Erwartungshaltung kämpft Kampusch entschieden an: Sie gibt Interviews, versucht mit ihrer Autobiografie die Deutungshoheit ihrer Geschichte selbst in der Hand zu behalten. Ein Umzug in ein anderes Land oder ein neuer Name kommt für sie nie infrage: "Ein Rückzug wäre ein Verrat an meiner Flucht gewesen." Sie lebt ihren persönlichen Triumph über ihren Gewalttäter - wohl auch mit ihrer Medienpräsenz. Denn ihr Entführer gab ihr einen neuen Namen, wollte sich die perfekte Gefährtin erziehen, ihre alte Identität auslöschen: "Als Person ohne Geschichte, ohne Wurzeln, nur für ihn da." Nun kennt die ganze Welt Natascha Kampusch. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich, wie stark ihre traumatische Erfahrung noch ihr alltägliches Leben beeinflusst: Einen natürlichen Umgang mit anderen Menschen hat die ihre gesamte Jugend isolierte Frau nie gelernt. Kampusch wirkt in ihren Reaktionen verlangsamt und sehr kontrolliert, denkt viel nach und versichert sich selbst jeder Aussage mit einem leichten Kopfnicken.