Sie lassen ihre Apparate verstärken, schicken zusätzliche Wachleute auf Streife oder schließen nachts einzelne Standorte. Banken und Sparkassen, aber auch Verkehrsbetriebe testen neue Präventionsmaßnahmen, um sich auch in der Lausitz gegen die vermehrten Angriffe auf Automaten zu schützen.

"So etwas wird sich zwar nie zu 100 Prozent vermeiden lassen, aber wir arbeiten an einer fortwährenden Sicherheit", erklärt Steffen Meisel von der Volksbank Lausitz. Dort wurden neue Maßnahmen eingeführt, "einige davon ersichtlich, andere nicht", drückt sich Meisel vorsichtig aus. Besonders Geldautomaten, die sich nicht in zentralen Gegenden befinden, seien nun während der Nachtzeit nicht mehr zugänglich.

Mancherorts werden Automaten auch abgebaut - der Kunde bekommt das Geld stattdessen per Kurier nach Hause gebracht. Bei der Spreewaldbank gibt es zwar so ein Angebot, allerdings ist die Nachfrage nicht sehr groß, sagt Vorstand Sven Thamm. Die Spreewaldbank war zuletzt zweimal Ziel der Täter, in Altdöbern und in Groß Leuthen.

Letztere Filiale wurde nach der Explosion im vergangenen November nicht wieder aufgebaut. Für ältere, nicht mehr so mobile Kunden, die schwer auf die anderen Filialen ausweichen können, wurde eine andere Lösung gefunden: Im örtlichen Kaufhaus kann Geld abgehoben werden. Von den Kunden werde das gut angenommen. "In den letzten Wochen haben wir sehr intensiv eine Vielzahl von Maßnahmen diskutiert", bestätigt Sven Thamm auf RUNDSCHAU-Nachfrage. So wurden alle elf Standorte einer Gefährdungsanalyse unterzogen und daraufhin konkrete Maßnahmen eingeleitet. Das Ergebnis: "Unsere Geldautomaten werden in Zukunft nachts nicht mehr zugänglich sein", sagt Thamm.

Darüber hinaus wurden die Automaten mit zusätzlichen technischen Einrichtungen gegen erneute Angriffe gesichert. Weitere Details des Sicherheitskonzepts will Thamm nicht verraten.

Auch die Sparkassen in der Lausitz geben nur verhaltene Auskunft. "Unsere Geldautomaten entsprechen dem höchsten technischen Niveau und aktuellen Sicherheitsstandards", sagt Anja Schroschk von der Sparkasse Spree-Neiße. Der SB-Service stehe den Kunden nach wie vor rund um die Uhr zur Verfügung, erklärt sie.

Ein Patentrezept gibt es nach Expertenmeinung sowieso nicht. "Welche Maßnahmen in welcher Form eingesetzt werden, hängt von der jeweiligen standortbezogenen Risiko- und Gefährdungssituation ab", erklärt eine Sprecherin des Deutschen Bankenverbandes. Die Schließung von Filialen an Risikostandorten sei das letzte Mittel.

Im ganzen Land nehmen Kriminelle immer öfter Geldautomaten ins Visier. Nach vorläufigen Zahlen des Bundeskriminalamtes hat es 2015 bundesweit 151 solcher Anschläge gegeben. Die Zahl hat sich seit 2011 fast vervierfacht. Voriges Jahr kamen die Automatenplünderer dabei in 69 Fällen an Bargeld. Die Zahl der herkömmlichen Banküberfälle ist dagegen seit Jahren rückläufig. 2014 waren es 193, zehn Jahre zuvor noch mehr als 600. Aktuellere Zahlen werden im März bekannt gegeben.

Auch eine Methode, um Anschläge ins Leere laufen zu lassen: spezielle Tresore, die einer Sprengung mittels Gas standhalten. Von Fachleuten immer wieder ins Spiel gebracht wird die Nachrüstung mit Einfärbesystemen: Wird die Geldkassette gewaltsam geöffnet, färbt eine Farbpatrone die Geldscheine ein. "Die Nachfrage nach solchen Lösungen steigt stark", sagt Produktmanager Stefan Leßmann.

Auch Cottbusverkehr prüft nach vier beschädigten Fahrkartenautomaten im vergangenen Jahr den Einsatz von Farbbomben sowie die Nutzung von Überwachunsgkameras.

Wie aber reagieren die Kunden auf gewisse Veränderungen? "Es gab schon Anfragen", bestätigt Steffen Meisel, Sprecher der Volksbank Lausitz. Nicht immer zeigten die Kunden Verständnis. Obwohl die wenigsten der Abhebungen auf die von den Schließungen betroffenen Nachtstunden fielen. Nicht zuletzt dienten die Sicherheitsmaßnahmen schließlich auch dem Schutz der Kunden.