"Das dann alles so schnell gehen würde, hatten wir nie gedacht", sagt Simon Panek, heute 41 Jahre alt. Panek, im Jahr 1989 an der naturwissenschaftlichen Fakultät eingeschrieben, gehörte zu den Wortführern der Studenten, die auf die Straße gingen, um gerechtere Studienbedingungen einzufordern und gegen politische Zensur zu demonstrieren. "Weil wir einen Deal mit der kommunistischen Partei abgeschlossen hatten, konnten wir legal mit Plakaten und Flugblättern werben", erklärt Panek. Rund 600 VerletzteZur Überraschung Paneks und seiner Kommilitonen folgten Zehntausende Bürger dem Aufruf. Als die Menschenmasse Richtung Stadtzentrum zog, kesselten Polizeitruppen die Demonstranten ein und zogen die Knüppel. Etwa 600 Verletzte gab es. Die geschockten Studenten besetzten Universitätsgebäude und forderten Aufklärung."Angst hatte ich nicht", erinnert sich Panek, "Ich habe mir frische Socken in die Jackentasche gesteckt und bin in die Fakultät." Von dort aus wurden Dutzende Autofahrten in die böhmische und mährische Provinz gestartet, um über die Ereignisse zu informieren. Schnell solidarisierten sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Am 26. November 1989 versammelten sich in Prag 700 000 Menschen.Havel neuer Präsident"Spätestens danach sind die Kommunisten einfach abgehauen", erinnert sich Panek. Schon am 28. November verhandelte das demokratische Bürgerforum unter Leitung von Dissident Vaclav Havel mit der kommunistischen Regierung über die Machtübergabe. Am 10. Dezember zogen Nicht-Kommunisten in die Regierung ein, am 29. Dezember wurde Havel zum Präsidenten gewählt - die Revolution war binnen weniger Wochen geglückt.Panek verzichtete auf eine politische Karriere und gründete stattdessen die Hilfsorganisation "Mensch in Not", mittlerweile eine der größten ihrer Art in Ostmitteleuropa. Vier Jahre nach der Revolution kam es zur friedlichen Trennung der Bruderstaaten Tschechien und Slowakei. Demokratie und Freiheit hatten sich durchgesetzt.