Osterloh trägt Gummistiefel und steht auf Holzbrettern. Drumherum sumpfige Nässe, scharfkantige Gräser und abgestorbene Fichten. Irgendwo plätschert es. Eine Libelle schwirrt umher, ein Zaunkönig singt. Die perfekte Morast-Idylle - "jetzt wieder", sagt die 31 Jahre alte Diplomingenieurin für Naturschutz und Landschaftsplanung. "Jahrzehntelang hat der Mensch hier alles trocken gehalten, um Fichten zu pflanzen." Die Bäume bekommen nun nasse Füße.

Osterloh begleitet im Nationalpark Harz die Wiedervernässung eines Feuchtgebiets, das den Namen Blumentopfmoor trägt. Die Revitalisierung des glitschigen Lebensraums läuft seit 2005. Bis September 2015 hat Osterloh noch auf rund 650 Metern Höhe in dem Großschutzgebiet des Mittelgebirges zu tun, dann will sie darüber ihre Doktorarbeit schreiben. Ein Teil der Forschungsarbeit ist das Gas-Monitoring. So steht es auch auf der großen Box, in der Osterloh die scheinbar mit Nichts gefüllten Fläschchen zwischenparkt. Später wird sie den Inhalt im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Halle auf Methan, Lachgas und Kohlendioxid untersuchen. Wichtige Gradmesser, wenn es um Wohl und Wehe der Revitalisierung geht.

Einmal im Monat kommt Osterloh mit zwei Kollegen aus Halle in die Nähe des Harzortes Drei Annen Hohne - Sommer wie Winter. Oft ist auch Forstwirt Axel Schauerte vom Nationalpark dabei. "Das ist mal was anderes", sagt er, und drückt vorsichtig den Deckel einer der insgesamt zehn Gas-Entnahmestellen zu. Er balanciert auf einem Geflecht aus Bretterstegen. "Wenn man daneben tritt, kann man schnell mal eine Methanblase aufdrücken."

Die Wiedervernässung des gut 19 Hektar großen Blumentopfmoores ist schon von Erfolg gekrönt. Torfmoose, Wollgras und Libellen fühlen sich hier wieder wohl. "Als die Arbeiten 2005 begannen, war das Blumentopfmoor stark ausgetrocknet", sagt Friedhart Knolle von der Nationalparkverwaltung. Bis aus dem Feuchtgebiet wieder ein vollumfänglich intaktes Moor entsteht, kann es mehrere Hundert Jahre dauern. "Was mit dem Willen und der Kraft der Natur dort am Ende entsteht, liegt nicht mehr in unseren Händen." Ein Aspekt, der auch Hans-Ulrich Kison wichtig ist. "Der Mensch kann keine Natur herstellen. Er kann aber Voraussetzungen schaffen, dass Natürliches wieder in Gang kommt", sagt der stellvertretende Nationalparkleiter.