Ihm war bekannt geworden, dass der umstrittene „Körperwelten“ -Erfinder von Hagens im jetzt noch als Rathaus genutzten Gebäude an der Uferstraße in Guben künftig Leichen plastinieren wolle. Die Angelegenheit ist nach RUNDSCHAU-Recherchen tatsächlich schon weit herangereift. Auch Hübner bestätigte, dass es Gespräche mit von Hagens gibt. Nachdem dieser mit seinen Plänen im polnischen Sieniowa Zarska (Schönwald) bei Zary (Sorau) gescheitert war, suchte er nach einer Ausweichvariante.

Führung durchs Stadthaus
Kräftig unter die Arme griff dem Plastinator dabei der 72-jährige Wolfgang Teske. Der Gubener, der sich in der Neißestadt als Vorsitzender der Gesellschaft für Naturschutz und Landschaftsforschung Brandenburg einen Namen gemacht hat und sich gleichzeitig für den Erhalt alter Industriegebäude einsetzt, schrieb von Hagens vor rund einem Jahr einen Brief. Teske schlug von Hagens als Ausweichquartier ein ehemaliges Werk der „Gubener Wolle“ vor. Und von Hagens reagierte prompt, rief Teske kurze Zeit später ein erstes Mal an. Ging es ihm zunächst nur um die Immobilie „Gubener Wolle“ , ist inzwischen ein weiteres Gebäude im Gespräch: das derzeitige Rathaus, das nach Fertigstellung eines neuen Verwaltungssitzes im kommenden Jahr leer stehen würde. Das soll Bürgermeister Hübner dem Plastinator persönlich bei einem Rundgang durch das Haus angeboten haben.

Ein idealer Standort
Von Hagens hat inzwischen schriftlich Interesse am Erwerb beider Objekte bekundet. Er kann sich den Standort Guben im Spree-Neiße-Kreis nicht nur zur Fertigung der Plastinate gut vorstellen. Auch in puncto Forschung und Entwicklung sowie Lagerhaltung und Ausstellungsausrüstung könne die Stadt ein Standbein für seine weltweiten Aktivitäten werden. Und auch eine kleine Ausstellung spielt in den Überlegungen von Hagens eine Rolle. Insgesamt, so sein Fazit, finde er in Guben ein „ideales Investitionsareal“ vor.
Die Gubener hoffen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und auf einen touristischen Anziehungspunkt in ihrer Stadt. Und von Hagens drängt auf Tempo. So heißt es in einem Schreiben des Plastinators von Hagens, das der Redaktion vorliegt: Da es sich für sein Institut um eine strategische Standortentscheidung handle, sei er an „einem möglichst baldigen Vertragsabschluss sehr interessiert“ .

Im Internet: www.bodyworlds.com/