Nun soll der gebürtige Cottbuser und jetzige Rand-Leipziger nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringem Umfang, wie Drogengeschäfte in großem Stil im Juristendeutsch heißen, für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Ein zunächst mit ihm vor dem Landgericht Cottbus angeklagter Komplice ist bereits zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Einbezogen wurde dabei eine bereits vorher verhängte Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Prozess gegen diesen Angeklagten war nach dessen Geständnis vom jetzigen Verfahren abgetrennt und abgeschlossen worden.
Mehr als 18 Monate hat die Beweisaufnahme gegen Sven St. vor der Cottbuser Schwurgerichtskammer gedauert. Auch am wahrscheinlich vorletzten Verhandlungstag lieferten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung in ihren Plädoyers einen heftigen Schlagabtausch, wie so oft in den Monaten zuvor. Während Staatsanwalt Olaf Jurtz seine Anklagen durch Aussagen eines ebenfalls bereits verurteilten „Kronzeugen“ und durch mitgeschnittene Telefongespräche als erwiesen bewertete, unterstellte ihm Verteidiger Rainer Wittner „Belastungseifer, der rechtlich nicht gedeckt“ war.

Vorwürfe nicht bewiesen
Die Anklage entspreche nicht den Anforderungen der Strafprozessordnung und im Verfahren sei keiner der Vorwürfe bewiesen worden. Deshalb sei er über die geforderte Strafe von fünfeinhalb Jahren „regelrecht erschrocken“ , sagte der Jurist. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war Sven St. im Jahr 1996 groß in den Rauschgiftmarkt eingestiegen, weil die Geschäfte mit der Prostitution in Cottbus nach gewalttätigen Auseinandersetzungen im Rotlichtmilieu nicht mehr lukrativ und profitabel genug waren. Der Angeklagte habe sich in der Szene schnell hoch gearbeitet und sich relativ unangreifbar gemacht. Er haben gehofft, durch den Drogenhandel „möglichst schnell und mit wenig Aufwand viel Geld“ zu verdienen, stellte Jurtz in seinem Plädoyer fest.

Exponierte Stellung
Die einstige exponierte Stellung von Sven St. habe sich selbst im Prozess noch ausgewirkt, schätzte der Staatsanwalt ein. Bis auf den Hauptbelastungszeugen hätten alle anderen Zeugen aus dem damaligen Umfeld nahezu wohlwollend für den Angeklagten ausgesagt und selbst Beziehungen zu ihm bestritten, die sie vor anderen Gerichten zugegeben hatten. Der Angeklagte sei eben der Chef gewesen, der die Beschaffung von Ecstasy, Amphetamine, Haschisch und Kokain in Amsterdam und Berlin in Auftrag gegeben sowie den Transport, die Zwischenlagerung und den Verkauf in Cottbus, Spremberg, Hoyerswerda und anderen Städten organisiert hat. Hunderte abgehörte Telefongespräche würden das eindeutig belegen, so Jurtz.
Wittner konterte: Die mitgeschnittenen Telefonate mögen aus Sicht der Ermittler durchaus aufregend und spannend sein, strafrechtliche Beweise ließen sich daraus allerdings nicht ableiten. Sein Mandant müsste für die während der Ermittlungen erlittene mehrmonatige Untersuchungshaft entschädigt werden, forderte der Verteidiger.
Trotz derart auseinander klaffender Auffassungen waren sich sowohl Staatsanwaltschaft wie auch Verteidigung einig darüber, dass die Vorgeschichte bis zu diesem Prozess ein Justizskandal sei. Bereits Anfang der Jahre 1999 und 2000 hatte das Landgericht von der Staatsanwaltschaft zwei Anklageschriften erhalten. Doch erst als die Schwurgerichtskammer des Landgerichtes die Akten übernahm, begann im April 2005 die Hauptverhandlung. Das Urteil wird für kommenden Freitag erwartet.