Die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem unermüdlichen Spitzenkandidaten lag in allen Umfragen klar vorn. Nach mehr als sieben Jahren unter dem sozialistischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero stehen in Madrid die Zeichen auf Umbruch. Die Sozialisten hatten mit dem 60-jährigen Alfredo Pérez Rubalcaba durchaus einen begnadeten Redner auf den Schild gehoben. In anderen Zeiten würde er unschwer als Erbe Zapateros durchgehen. Aber eine Arbeitslosenquote von inzwischen 21,5 Prozent werden die Wähler den Sozialisten nicht vergessen.

Überhaupt schien es in den vergangenen Monaten bisweilen so, als werde sich Spanien in die Serie der südeuropäischen Bittsteller-Staaten einreihen, die bei den starken EU-Partnern im Norden um Gnade für immer neue Milliarden-Stützen nachsuchen. Vor diesem Hintergrund gaben zuletzt gut 45 Prozent der Wähler an, sie wollten für die PP stimmen, nur knapp 30 Prozent entfielen noch auf die sozialistische PSOE. Zu den unpopulären Maßnahmen, die Zapateros Regierung in den vergangenen Monaten traf, zählen eine Anhebung des Renteneinstiegsalters und Gehaltskürzungen bei Staatsbediensteten. Rubalcaba hatte eigentlich nur noch eine erkennbare Chance, das Ruder herumzureißen. Das war das Fernseh-Duell vom 6. November. Danach lagen die Indikatoren der Wählergunst auch näher beieinander als im Parteien-Vergleich. Aber alles rhetorische Talent des ehemaligen Innenministers half ihm nichts – auf Rajoy entfielen anschließend dennoch fünf Prozent mehr der Wählerstimmen, als sie nach dem Sieger des TV-Duells gefragt wurden. Zu sehr hat sich die Wechselstimmung breitgemacht. Die Tageszeitung „ABC“ befand, Rubalcaba habe den Kandidaten der Konservativen angestarrt, als wenn dieser bereits seine „Regierungserklärung“ abgebe.

Auch auf eine wundersame Wendung in der letzten Sekunde, wie sie im Jahre 2004 zu ihren Gunsten eintrat, hofften die Sozialisten vergeblich. Damals wurden wenige Tage vor dem Wahlgang bei Anschlägen in Madrid 191 Menschen getötet und fast 2000 verletzt. Die Regierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten José Maria Aznar versuchte in einem kurzsichtigen und für die Öffentlichkeit allzu durchschaubaren Manöver, die Anschläge aus dem Al-Qaida-Täterkreis der baskischen Untergrundorganisation Eta in die Schuhe zu schieben – und trug damit zum Wahltriumph des Sozialisten Zapatero bei.

Im Umgang mit der Eta, die im Oktober nach mehr als vier Jahrzehnten das „definitive Ende ihrer bewaffneten Aktivitäten“ verkündete, dürfte sich Rajoy von der bisherigen Regierungslinie kaum entfernen. Aus seiner Sicht gibt es im Baskenland „keinen politischen Konflikt“, sondern nur eine „Bande von Kriminellen“, die ihre Linie durchzusetzen versucht habe. Im TV-Duell ging es fast ausschließlich um Wirtschafts- und Sozialpolitik. Rajoy sprach von einer „unerträglichen Lage“ des Landes „mit fünf Millionen Menschen ohne Arbeit“. Den Sozialisten hielt er vor, das Wirtschaftsleben ruiniert und weitere Schulden verursacht zu haben. Möglicherweise wird dies den Konservativen sogar eine absolute Mehrheit im Parlament bescheren .

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hintergrundS paniens konservativer Oppositionsführer Mariano Rajoy hofft darauf, dass der erwartete Machtwechsel in Madrid die Finanzmärkte beruhigt. Rajoy verlangte in einem Rundfunkinterview, der neuen Regierung zumindest eine „minimale Verschnaufpause von etwas mehr als einer halben Stunde zu geben“. Falls er die Wahl gewinne, werde er eine klare Botschaft an die Finanzmärkte senden: „Spanien will den Euro erhalten, der Teil eines nicht umkehrbaren politischen Projekts ist.“ Mit Blick auf die Finanzprobleme des Landes kündigte Rajoy harte Sparmaßnahmen an. Außer bei den Renten werde es „überall Einschnitte“ geben .