In zwölf Jahren hat sich im DRK-Kindergarten "Zwergenhäusel" ein musisch-künstlerisches Profil herausgebildet. Nicht nur Mundart wird gepflegt, sondern auch erste Begriffe der tschechischen und englischen Sprache werden spielerisch vermittelt. "Vor drei Jahren kam auch noch die Gebärdensprache dazu", erzählt Ulrike Leubner, Leiterin des Kindergartens.
Richtig bekannt geworden ist das "Zwergenhäusel" durch die "Ulbersdorfer Querxe" - etwa 40 Kinder, die zu ausgewählten Veranstaltungen alte und neue Mundartlieder singen sowie Tänze in Oberlausitzer Tracht zeigen. Die Programmfolge dürfen sie selbst bestimmen. Möglich sind diese Auftritte durch großes ehrenamtliches Engagement des Pädagoginnen-Teams, Eltern und Förderern, wie dem Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater und dem Oberlausitzer Volksmusik-Duo Katrin und Peter. Vieles ist nur durch Spenden finanzierbar.
Trotzdem bringen Eltern selbst aus 20 Kilometer entfernten Orten ihre Sprösslinge nach Olbersdorf. Zum Teil wird in den Familien selbst noch das Brauchtum gepflegt. Zugezogene aus den alten Bundesländern möchten, dass ihre Kinder in die neue Heimat richtig hinein wachsen.
"Zwang oder Leistungsdruck wird nicht ausgeübt", erläutert Ulrike Leubner, "Lernen durch Selbsterfahrungen und auf eigenen Wunsch ist die Devise." "Zwergenhauskinder sind musisch und künstlerisch sehr aufgeschlossen und sie haben keine Hemmungen, etwa vorzutragen", sagte Ursula Baudisch, Direktorin der Olbersdorfer Grundschule. Das werde unter anderem in Musik, Heimatkunde, Deutsch und Englisch genutzt. Zudem gibt es Mundartprojekte, Schulkonzerte und Sprachenfestivals.
"Je zeitiger die Kinder mit Sprachen vertraut gemacht werden, desto besser", findet auch Ute Wunderlich, Direktorin der privaten Grenzenlosen Schule Hartau/Hradek. Dort lernen einmal in der Woche deutsche und tschechische Kinder gemeinsam, unter ihnen sind auch ehemalige Zwergenhaus-Kinder.
Das "Zwergenhäusel" ist mittlerweile auch Hospitations-Kindergarten. Nicht nur aus Sachsen kommen die Fachleute, sondern auch aus Bayern und Baden-Württemberg. "Dort haben die generell Mundart sprechenden Kinder Schwierigkeiten mit dem Hochdeutschen", erläutert Leubner. Eine langjährige Partnerin ist unter anderem die Pädagogin und Ethnologin Lore Miedauer, Professorin an der Fachhochschule für Sozialwesen in Esslingen.
Die Idee zum Mundartkindergarten ist 1991 aus einer Begegnung mit alten Olbersdorfern heraus geboren worden. Viele Kinder verstanden die Mundart sprechenden alten Leute nicht. Dialekt zu pflegen, galt in der DDR als nicht zeitgemäß. "Dagegen wollten wir einfach etwas tun", konstatiert Ulrike Leubner.