Am gestrigen Donnerstag teilte Stefan Barton, Sprecher der Leipziger Landesdirektion, mit, dass in der Anlage der Kreiswerke Delitzsch mehr Abfälle gelagert waren als erlaubt. Die zulässige Lagermenge von 4100 Tonnen sei um 853 Tonnen überschritten worden. ,,Davon lagerten 680 Tonnen Mischkunststoffe und Alttextilien, die für die Lagerung nicht zugelassen sind", erklärte Barton. Dies hätten Prüfer der Behörde festgestellt, die Landesdirektion Leipzig habe daher die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bei dem Brand Anfang April war eine Halle mit acht Tonnen Restmüll in Flammen aufgegangen.

Der erste Untersuchungsausschuss dieser Wahlperiode solle untersuchen, ,,welche Strukturen es ermöglicht oder begünstigt haben, dass Abfälle auf krummen Wegen beseitigt oder scheinverwertet werden", sagt Linken-Politikerin Andrea Roth. Auch die rund 150 000 Tonnen Müll, die aus Italien auf die Zentraldeponie Cröbern bei Leipzig geliefert wurden, werfen laut Grünen-Politiker Johannes Lichdi Fragen auf. Demnach enthielten die Waggons aus Marcianise mit angeblich harmlosem Hausmüll auch schwach radioaktive Klinikabfälle. Die Müllimporte beschäftigen die Staatsanwaltschaften in Leipzig und Halle, das BKA in einem internen Lagebericht wie auch italienische Ermittlungsbehörden. Lichdi mache stutzig, dass die nötigen Importpapiere, die der RUNDSCHAU vorliegen, handschriftliche Korrekturen enthalten. ,,Wann endlich bequemt sich der Minister zur Stellungnahme, dass das amtliche Dokument verfälscht worden ist?", fragt Lichdi.

Die Koalition lehnt das neue Gremium ab: ,,Der Untersuchungsausschuss ist Müll", wetterte Torsten Herbst (FDP). Ein Skandal werde ,,krampfhaft herbeigeredet", es gebe keine neuen Fakten.