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| 01:05 Uhr

IG Metall streitet munter weiter

Der Personalstreit in der IG Metall erreicht eine neue Stufe der Eskalation. Gewerkschaftsvorstände reagieren mit Unverständnis und Verärgerung auf eine unerwartet einberufene Pressekonferenz ihres Vorsitzenden Klaus Zwickel und deren ebenso plötzliche Absage. „Das Führungsproblem in der IG Metall beginnt beim Ersten Vorsitzenden“, sagte das ehrenamtliche IG-Metall-Vorstandsmitglied aus dem Bezirk Hannover, Detlef Kunkel, gestern. Von Angela Schiller

Seit Wochen wünschen sich die IG-Metall-Mitglieder nichts sehnlicher, als endlich aus den Schlagzeilen zu kommen und den lähmenden Führungsstreit zu beenden. Doch sie hofften auch gestern vergeblich: Mit der überraschenden Absage einer erst am Vortag angesetzten Pressekonferenz heizte der scheidende IG-Metall-Chef Klaus Zwickel die Gerüchteküche erst richtig an und ramponierte das schlechte Erscheinungsbild der einst mächtigen Gewerkschaft noch weiter. "Jetzt ist der Schlamassel erst richtig groß", bedauerte ein Metaller. Was zu dem peinlichen Rückzugsmanöver geführt hat, darüber gab es gestern nur wilde Spekulationen. Sprecher Claus Eilrich begründete das Hin und Her damit, dass man sich zeitlich verkalkuliert habe und eine Lösung der schwersten Krise in der Geschichte der IG Metall länger dauere als erwartet. "Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern ein Konzept, von dem die ganze IG Metall sagt, das tragen wir mit, das ist ein glaubwürdiger Neuanfang", erläuterte Eilrich. Die Sondierungsgespräche würden sich wohl noch Tage hinziehen.
Schon von der Einladung an die Medien waren alle überrascht worden, die Absage löste dann völlige Ratlosigkeit aus. Selbst Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands konnten sich keinen Reim darauf machen. "Offensichtlich wird bei uns nicht mehr miteinander gesprochen", stellte ein Funktionär frustriert fest. Bei anderen drängt sich ein anderer Verdacht auf. Sie mutmaßen, dass der angeschlagene Zwickel in einer Hau-Ruck-Aktion den Vorstand übergehen, seinen Vize Jürgen Peters ausbooten und öffentlichen Beifall einheimsen wollte. Entweder sei ihm dabei ein Kandidat abgesprungen - oder er habe nach Kritik über sein Vorpreschen kalte Füße bekommen. Auf dem Vorstand, der für Mittwoch aus dem Urlaub zu einer neuen Krisensitzung zusammengetrommelt wird, lastet nun ein enormer Druck.
Das undurchsichtige Zwickel-Manöver hat die Suche nach einem Ausweg nicht unbedingt erleichtert. "Der Vorstand ist gefordert, am Mittwoch zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen", sagte der Sprecher des Bezirks Niedersachsen, Jörg Köther. Bei einer andauernden Führungskrise werde sich der angestaute Unmut der Mitglieder - ähnlich wie am Donnerstag beim Autobauer Opel in Rüsselsheim - in Protestaktionen entladen. "Vermehrte Austritte wären dann nicht mehr ausgeschlossen."
Bis Mittwoch wird sich das Namenskarussell aber munter weiter drehen. Der Bezirk Baden-Württemberg spielt bei der Suche nach einer neuen Führung eine zentrale Rolle. Bezirksleiter Berthold Huber war auch gestern in Frankfurt, um Möglichkeiten auszuloten. Er selbst habe keinerlei Interesse mehr an einem Führungsjob, heißt es im Südwesten.
Eine wirklich überzeugende Alternative zu Huber scheint aber noch nicht gefunden zu sein. Ob im Zwickel-Lager noch nach einer Tandem-Lösung mit Peters gesucht wird oder für den Gewerkschaftstag Ende August ein Gegenkandidat zu Peters aufgebaut werden soll, ist weiter unklar. Am Ende könnte der umstrittene Vize am meisten von dem missglückten Überraschungs-Coup profitieren, denn der Vorsitzende hat damit weiteres Ansehen in der Organisation verspielt.