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IG-Metall-Chaos perfekt

Ohne Einvernehmen gingen der IG-Metall Vorsitzende Klaus Zwickel (r.) und seine Stellvertreter Jürgen Peters (l.) nach der Vorstandssitzung der Gewerkschaft auseinander.
Ohne Einvernehmen gingen der IG-Metall Vorsitzende Klaus Zwickel (r.) und seine Stellvertreter Jürgen Peters (l.) nach der Vorstandssitzung der Gewerkschaft auseinander. FOTO: Foto: dpa
Der erbitterte Machtkampf um die IG-Metall-Spitze wird sich voraussichtlich noch wochenlang hinziehen. Der scheidende Vorsitzende Klaus Zwickel sieht nun vor allem die Basis der Gewerkschaft in der Pflicht. Der amtierende Vorstand sei in der augenblicklichen Patt-Situation nicht in der Lage, „die Krise zu lösen“, sagte Zwickel gestern. Er appellierte an Betriebsräte und Vertrauensleute, sich in die aktuelle Debatte um die neue Führungsmannschaft einzumischen. Von Guido Heisner

Nach dem ergebnislos beendeten Krisentreffen des IG-Metall-Vorstands droht der Streit um die Führung der Gewerkschaft in eine mehrwöchige Verlängerung zu gehen. Nach Angaben von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel wird sich der Vorstand voraussichtlich erst Anfang September wieder mit der ungelösten Personalfrage befassen, wenn die Sommerpause vorüber ist. Bis dahin werde man versuchen, einen neuen Vorschlag zu erarbeiten, sagte Zwickel gestern in Frankfurt am Main.
Eine schnelle Entscheidung mahnten sowohl Mitglieder der Bundesregierung als auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall an. Zwickel betonte, er habe in der Vorstandssitzung versucht, "Brücken zu bauen". Die "Patt-Situation" habe jedoch nicht aufgelöst werden können, weil einige Personen nicht bereit gewesen seien, sich zurückzunehmen. Zwickel war in der Sitzung mit dem Versuch gescheitert, entweder zusammen mit seinem Vize Peters oder dem kompletten Vorstand zurückzutreten. Peters lehnte beides ab und bekräftigte sein Festhalten an seiner Kandidatur für den Vorsitz.
Baden-Württembergs Bezirkschef Berthold Huber, der bislang als künftiger zweiter Vorsitzender eingeplant war, erklärte dagegen seinen Verzicht auf ein Spitzenamt in der Gewerkschaft. Wenn Mitglieder an der Basis Unverständnis über den Ausgang des Treffens zeigten, könne er dies nachvollziehen, betonte Zwickel. Die IG Metall sei gleichwohl "nicht führungslos". Nur sei man derzeit nicht in der Lage, ein politisches Signal als Konsequenz aus der Streikniederlage zu senden.
Nach Ansicht von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) muss der Streit in der IG Metall im Interesse des Landes so bald wie möglich beigelegt werden. Schily sagte, was derzeit bei der Metaller-Gewerkschaft passiere, sei ein "Trauerspiel". Er fügte hinzu, Deutschland brauche starke Gewerkschaften. Daher wäre es gut, wenn die IG Metall sich bald auf eine neue Führung verständigen würde. Diejenigen, die im Richtungsstreit derzeit so "verbissen" aufträten, seien "als Führungsfiguren nicht mehr geeignet". Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) mahnte eine baldige Lösung des Führungsstreites an.
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser zeigte sich enttäuscht über den Ausgang der Sitzung. Er habe sich gewünscht, dass die IG Metall ihre Personalfrage löst, weil solche offenen Probleme die Diskussionen in der Sache "ungeheuer erschweren", sagte Kannegiesser. Die Arbeitgeber hätten kein Interesse an einer geschwächten IG Metall. "Wir brauchen keine 500 Einzelgewerkschaften", fügte er hinzu. Notwendig sei vielmehr "eine starke Kraft", die die verschiedenen Interessen innerhalb der Arbeitnehmerschaft bündele. Die künftige IG-Metall-Führung muss nach Ansicht Kannegiessers bereit sein, in der Tarifpolitik die Leistungsfähigkeit der Betriebe stärker zu berücksichtigen. "Überzogene Forderungen" im Hinblick auf Arbeitszeitvolumen und Einkommensentwicklung werde man "nicht mehr akzeptieren". W enn die IG Metall dazu nicht bereit sei, müsse man in den Betrieben mit den Belegschaften eigene Regelungen finden. Gescheitert sei der Streik vor allem deshalb, weil die Gewerkschaft die Lage im Osten völlig falsch eingeschätzt habe.
Unterdessen setzte der Gewerkschaftsvorstand gestern seine Beratungen fort. Bis morgen wollen die Mitglieder des Gremiums den Gewerkschaftstag im Oktober vorbereiten. Für den Kongress liegen mehr als 600 Anträge und Entschließungen vor. Der Vorstand will Empfehlungen zu einzelnen Antragspaketen erarbeiten.