Luckau: Zur Stadt Luckau gehören 20 Ortsteile, die wiederum aus 31 Dörfern bestehen. Auf der Gesamtfläche von 213 Quadratkilometern leben insgesamt 10 440 Menschen. Das entspricht durchschnittlich 49 Einwohner pro Quadratmeter. Diese Zahl stagnierte in der Vergangenheit. Ich hoffe, dass sich negative Veränderungen auch in den kommenden Jahren in Grenzen halten. Unsere Region musste sich einem großen Strukturwandel unterziehen. Von einst 5000 Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft sind noch etwa ein Zehntel übrig geblieben. Dennoch hat Luckau heute im Arbeitsamtsbezirk Cottbus mit 8,8 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote. Ein Grund dafür ist die große Mobilität der Einwohner und ihre Heimatverbundenheit.

Probleme: In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Luckau mit dramatischen Veränderungen zu kämpfen gehabt. Die Stadt wurde 1993 von einem Mittelzentrum zu einem Grundzentrum mit mittelzentraler Teilfunktion abgestuft und wird im künftigen Landesentwicklungsplan gar keine Rolle mehr spielen. Das brachte erheblichen Bedeutungs- und Funktionsverlust sowie vor allem große finanzielle Nachteile mit sich. Doch diese Untergangsbedrohung kann auch Kräfte entfesseln. Mit der Landesgartenschau 2000 haben sich die Luckauer selbst aus dem Dornröschenschlaf befreit.

Heimat: Heimat hat für mich eine duale Bedeutung. Sie ist zum einen erzählte, gebaute und erlebte Geschichte und zum anderen die Rückzugszelle des eigenen Wohnumfeldes. In Zeiten zunehmender Globalisierung nimmt die Bedeutung von Heimat immer mehr zu.

Lausitz: Den Begriff Lausitz als Regionalmarke halte ich in unserer globalisierten Welt für ungeeignet. Er hat einen siedlungsgeschichtlichen Hintergrund, damit können nur wenige Menschen etwas anfangen. Außerdem spielte die Lausitz drei bis vier Generationen keine Rolle. Ich weiß, dass das hier viele Menschen anders sehen und das diese Haltung unpopulär ist. Aber ich glaube, außerhalb Deutschlands ist tatsächlich nur die Region Berlin/Brandenburg wahrnehmbar.

Freizeit: In meiner wenigen freien Zeit lese ich gern. Ansonsten versuche ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen.

Freunde: Die Freundschaften haben sich in den vergangenen Jahren zahlenmäßig reduziert, aber inhaltlich gefestigt. Das hängt auch mit meinem Amt als Bürgermeister zusammen. Da wird es um einen herum manchmal etwas einsam.

Hobby: Die regionale Siedlungs- und Heimatkunde interessieren mich sehr. Außerdem besitze ich seit mehr als 30 Jahren eine kleine Pferdezucht.

Essen: Eintöpfe aller Art sind meine Lieblingsmahlzeiten.

Kochen: Ein klares Nein! Meine Frau kocht dafür gut und gerne.

Urlaub: Unseren Jahresurlaub verbringen meine Frau und ich seit fast 40 Jahren auf der Insel Rügen. Dort finden wir beim Wandern und Fahrradfahren Besinnung und mittlerweile auch viele Erinnerungen. Unsere Kinder haben auf der Insel laufen gelernt. Rügen ist deshalb auch ein Stück Familienchronik.

Sport: Da ich zwei eigene Pferde besitze, gehören Reiten und Gespannfahren zu meinen gelegentlichen sportlichen Betätigungen.

Kohle: Das Thema wird leider sehr stark ideologisch und weniger realistisch diskutiert. Kohle wird uns noch einige Jahrzehnte Licht und Wärme geben müssen, da die regenerativen Energien längst nicht ausreichen.

Klima: Über eine mögliche Klimakatastrophe wird viel berichtet. Der mediale Umgang damit ist mir aber zu populistisch. Es fehlen ausreichende wissenschaftliche Untersuchungen. Die jüngste Wissenschaftssparte, die Umweltarchäologie, wird erst solide Erkenntnisse bringen. Fest steht: Wir haben nur diese eine Welt und müssen sie um jeden Preis schützen. Es wird keine zweite Arche Noah geben.

Kinder: Die demografische Katastrophe, in der sich Deutschland befindet, ist wohl Teil einer gewissen Wohlstandsdekadenz des Abendlandes. Im Gegensatz zur Klimakatastrophe wird sie eher verhalten und verschämt publiziert. Sicher auch weil sich viele Zeitgenossen mit dem eigenen Le bensstil darin wiederfinden. Das Argument, die Zeiten und die Lebensbedingungen seien so unsicher, halte ich für eine Schutzbehauptung. Schließlich haben die materiell und intellektuell gut Situierten die wenigsten Kinder.

Gott: Der Glauben an Gott gehört ganz klar zu meinem Weltbild. Mir fällt es wesentlich leichter zu glauben, als nicht zu glauben - obwohl es unbequemer ist. Ich bin ein Feind jeder Sektiererei und gehöre nicht zu den Christen, die von allen eine super Frommheit erwarten.

Schicksal: Ich selbst habe schon eine kritische Lebenssituation hinter mir. Vor sechs Jahren bin ich an Nierenkrebs erkrankt. Seitdem lebe ich wesentlich bewusster, sehe jeden Tag als Geschenk und gehe gern zur Arbeit. Ich bin froh, dass mich meine Mutter nicht zu Grabe tragen musste, sondern ich sie vor einem Jahr auf ihrem letzten Weg begleiten konnte. Seit dem habe ich eine reifere Beziehung zum Tod.

Kultur: Ich bin kultursüchtig und genieße gern die Angebote, die der regionale Raum zu bieten hat. Gelegentlich gehören auch Besuche in den Metropolen dazu. Die Staatsopern in Berlin und Dresden sowie das Staatstheater in Cottbus reizen mich immer wieder. Ich leide manchmal darunter, dass es Kultur in der Provinz nicht leicht hat. Dennoch halte ich die Angebote in Luckau und Umgebung für beachtlich.

DDR: Auch bei geschlossenen Grenzen habe ich mich nie wirklich unfrei gefühlt. Meine Familie und ich hatten sich diesem Käfig angepasst und geistige Republikflucht gepflegt. Westfernsehen und westliche Literatur gehörten bei uns zum täglichen Leben, um der Isolierung zu entgehen. Ich litt als geschichtsinteressierter Mensch unter dem Sachverhalt, dass die Historie wie ein Scheuerlappen gewrungen wurde, damit der 'wissenschaftliche Sozialismus' als Revolutionstheorie heraustropfen konnte. Die DDR bleibt dennoch eine Zeit, an die ich mich gern erinnere. Ich halte es für eine Gabe Gottes, dass der Untergang der DDR ohne Krieg beendet wurde.

Globalisierung: Für die gesamte Erdbevölkerung könnte die Globalisierung ein Segen sein. Derzeit haben wir auf der Welt eine Polarisierung des Wohlstandes. Etwa ein Fünftel der Erdbevölkerung lebt auf Kosten der anderen. Das ist die modifizierte Form einer Sklavenhaltergesellschaft, die nicht für alle Zeit fortgesetzt werden kann. Der jetzige Zustand ist für mich auch nicht christlich.

Zukunft: Hier fällt mir ein Zitat ein, das ich vor kurzem in Oslo gelesen habe: Man muss die Dinge nehmen wie sie kommen. Wenn sie nicht kommen, muss man ihnen entgegengehen. Kultur und Natur werden das Leitbild von Luckaus Zukunft bestimmen. Der sehr gut erhaltene historische Stadtkern ist eine Besonderheit, die als touristische Marke zukunftsfähig ist.

Träume: Ich habe sehr viele Träume, die jedoch für meine tägliche Arbeit bedeutungslos sind. Visionen wachen Geistes sind wichtiger - die Landesgartenschau war einmal eine. Meine jüngste Vision ist, die alte Luckauer Klosterkirche in eine Kulturkirche mit Niederlausitz-Museum umzubauen. Die Arbeiten dafür haben im Mai dieses Jahres begonnen.

AUFGESCHRIEBEN von
Lars Hartfelder