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| 01:02 Uhr

„Ich bleibe der ewige Optimist“

Energie Cottbus macht sportlich wie wirtschaftlich schwere Zeiten durch. Der Druck auf den Verein war in den zurückliegenden Wochen groß. Mit Trainer Eduard Geyer und Manager Klaus Stabach wurden Baumeister erfolgreicher Jahre beurlaubt. Grund genug, mit FCE-Präsident Dieter Krein über die Probleme zu diskutieren. Fotos: M. Helbig


Herr Krein, sind Sie gern Präsident von Energie Cottbus?
Ja, sogar heute noch.

Und das, obwohl Sie zwei Ihrer engsten Weggefährten, Eduard Geyer und Klaus Stabach, innerhalb kürzester Zeit verloren haben?
Ich kann ja nicht beklagen, dass Eduard Geyer nicht mehr da ist, nachdem Präsidium und Management beschlossen hatten, ihn zu beurlauben und ihm damit als Menschen zu helfen.

Zu helfen?
Ja, dabei bleibe ich. Das Vermögen, etwas zu ertragen, hatte auch bei Eduard Geyer die Grenze erreicht. Im Winter 2003, als wir in der Bundesliga nur mit zehn Punkten dastanden, gab es eine ähnliche Situation, die Spuren hinterlassen hatte. Wer entpflichtet wird, sieht das anders als die es sehen, die ihn entpflichtet haben. Natürlich fehlt ein Stück, doch ich bin sehr, sehr optimistisch, was den jungen Trainer Petrik Sander angeht.

Dennoch war der Zeitpunkt im November überraschend, oder?
Wir waren doch nicht der erste Verein, der einen Trainerwechsel vollzogen hat. Wir sind neben Freiburg der zweite Klub im deutschen Lizenzfußball, der so lange an einem Trainer festgehalten hat.

Zu lange?
Es würde vielen Leuten weh tun, wenn ich sage, zu lange. Wir haben es ja auch aus Überzeugung getan. Ob es zu lange war, will ich als Frage im Raum stehen lassen.

Und wie ist es bei Klaus Stabach?
Da fehlt von dem dreibeinigen Hocker das nächste Bein. Wir hatten im Präsidium schon vor mehr als einem halben Jahr beschlossen, dass Klaus Stabach verdient in den Ruhestand geht. Es war mit ihm besprochen, dass nach und nach Ralf Lempke als Manager eingearbeitet wird. Dass es dann auf die Art und Weise geschehen ist, ist für beide Seiten nicht gut.

Und was ist mit Ihnen?
Ich muss zusammenhalten, was noch zusammenzuhalten ist. Das Wichtigste sind jetzt der Verein, die Spieler, das Trainerteam und alles, was sich neu formiert hat.

Also ist jetzt alles gut?
Ich bin und bleibe der ewige Optimist. Wenn aber nicht ab sofort Ruhe einzieht und wir uns nicht konsequent an das halten, was wir mit Sponsoren und dem Verwaltungsrat abgesprochen haben, kommen wir in eine gefährliche Situation. Wir müssen nämlich noch einige Punkte holen. Mit Reden und Geld allein kann man den Bundesligafußball nicht erhalten. Wir brauchen wieder absolutes Vertrauen und das will ich mit dem Präsidium über das Trainergespann wieder in die Mannschaft ausstrahlen. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Bei dem Abgesprochenen spielen Sie sicher auf das Sanierungskonzept an. Was steht mit welchen Zielen drin?
Es ist ein internes Papier. Grob gesagt, ist es eine Analyse, angefangen von der Kirchkrise über die Entwicklungen, die wir danach genommen haben bis zu den heutigen Belastungen.

Hat sich der Verein genau in dieser Zeit übernommen?
Wir haben nachgerüstet, um den Abstieg aus der Bundesliga doch noch zu verhindern, was am Ende nicht gelungen ist. Danach haben wir den sofortigen Wiederaufstieg konzipiert. Zugegeben, es waren mutige Entscheidungen, die wir getroffen haben, weil nicht jeder Hunderttausender durch Tabellenplatz und Zuschauereinnahmen von vornherein abgesichert war.

Es ging schief – und nun?
In dem Sanierungskonzept steht drin, was wir zu tun haben, wo bis zum Juni 2005 und Juni 2006 unsere Liquiditätsprobleme liegen und wie wir die Lücken schließen können. Durch eigene Maßnahmen wie Flächenverkauf, Rückleasing und anderes können wir uns selbst bewegen. Wir brauchen aber auch noch Hilfe. Fehlt die Liquidität auf Dauer, ist das Schlimmste zu befürchten.

Wie groß ist die Lücke?
Etwa eine Million Euro an Liquidität. Im Moment ist aber niemand bereit, uns die zu geben, obwohl ein Darlehen in dieser Größenordnung über drei Jahre für einen renommierten Verein wohl machbar sein dürfte. Ich räume ein, dass wir mit dem Sanierungskonzept vielleicht schon hätten zwei Jahre früher beginnen sollen.

Warum haben Sie zwei beliebte Spieler wie Laurentiu Reghecampf und Michael Thurk verkauft?
Wenn wir das nicht getan hätten, wären wir jetzt schon tot. Micha Thurk ist nie in Cottbus angekommen. Der hatte solche mentalen Probleme, dass nichts zu retten war.

Und Reghecampf, dem eine Ausstiegsklausel zugebilligt wurde?
Wenn der in Aachen das Dreifache verdient, brauche ich doch gar nicht über ein Hierbleiben zu reden. Und wer nach der Ausstiegsklausel fragt, der kann ja gerne mal zu Vertragsverhandlungen mitkommen.

Geht das so weiter?
Wir sind an den Punkt, wo wir sagen: Wer nicht will, soll wegbleiben oder gehen. Wir können hier in der Lausitz nicht alles realisieren, was Spielervermittler wollen. Die, die jetzt kluge Worte sprechen und rufen, dass Entschuldung erste Bürgerpflicht ist, die müssen sich entscheiden: Entweder, mit finanzieller Hilfe den Profifußball und die zweite Bundesliga zu sichern oder den Verein durch drastische Verkäufe zu entschulden. Dann aber spielen wir demnächst im ehemaligen Lok-Stadion in der Oberliga.

Im Klartext: Das nach personellen Konsequenzen und einem Sanierungskonzept versprochene Geld ist noch nicht geflossen?
Dem Verein hat niemand Geld versprochen.

In dem Brief der Sponsoren klingt das aber anders.
Da steht drin, dass man mit verschiedenen Maßnahmen wie vorgezogenen Zahlungen gewillt ist zu helfen. Wir haben die Hinweise der Sponsoren ernst genommen und im Management das Sportliche vom Kaufmännischen getrennt.

Sie sagten, dass es jetzt gilt, langfristig stabile Verhältnisse zu schaffen. Machen Sie weiter?
Ich frage mich, warum diese Diskussion überhaupt aufgekommen ist. Es gibt eine Satzung und es gibt eine Ehre. Natürlich werde ich mich vor der Wahlversammlung verantworten. Doch die ist erst 2007. Wir haben seit siebeneinhalb Jahren Profifußball in Cottbus und haben stets eine ordentliche Bilanz abgeliefert.

Wird das auch für 2004 so sein?
Wir werden für das vergangene Jahr eine ordentliche Bilanz haben. Die ist die erste Voraussetzung für die neue Lizenz.

Sie sind optimistisch dass der Verein die Lizenz bekommt?
Ja, natürlich. Sonst könnten wir ja gleich zumachen. Dafür müssen aber auch die Jungs jetzt ordentlich spielen, weil uns das wirtschaftlich durch mehr Fernsehgelder und Zuschauereinnahmen entlastet.

Dazu gehört, dass die Spieler volles Gehalt bekommen.
Das ist das Wichtigste. Wir wollen, dass die Spieler keine Ausreden haben. Dass sie zufrieden sind, weil sie spüren, dass der Verein alles für sie tut.

Was war in der ganzen Diskussion für Sie die größte menschliche Enttäuschung?
Wenn sich Leute zur Zukunft des Lizenzfußballs in Cottbus äußern, die völlig inkompetent sind, tut das weh. Es wäre mir lieber gewesen, mich offen zu fragen, was Sache ist und nicht über drei Ecken zu tratschen und dann noch dumm zu kommentieren. Es ist traurig, dass es so etwas in Cottbus gibt. Die menschliche Enttäuschung nimmt mir mehr Schlaf als die sportliche Entwicklung, bei der man immer wieder Hoffnung haben kann.

Sie sind ein Mensch, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Welchen Ihrer Sätze würden Sie gern zurücknehmen?
Da müssten Sie mir mal Sätze nennen.

Dass Leute die Klappe halten sollten, wenn sie keine Ahnung vom Fußball haben.
Den Satz würde ich sogar gern fett und rot gedruckt sehen.

Sie haben in der Vergangenheit oft vermutet, dass Schiedsrichter ganz bewusst gegen Energie gepfiffen haben. Nun hat die Bundesliga einen Skandal. Wie bewerten Sie den unter diesem Gesichtspunkt?
Herr Hoyzer hat uns nur beim 0:0 gegen Ahlen gepfiffen, ein Tor nicht gegeben, einen Elfmeter nicht gepfiffen und Beeck vom Platz gestellt. Wenn alle Fehlentscheidungen, die gegen uns getroffen wurden, mit dem Wettskandal verbunden wären, hätten wir fast keine Schiedsrichter mehr in der Bundesliga. Mal im Ernst. Ich glaube, dass es ein Einzelfall ist. Der größte Teil der Schiedsrichter kommt nämlich ohne Wettbüro über die Runden.

Mit Dieter Krein sprachen
Susann Michalk, Thomas Juschus,
Wolfgang von der Burg
und Wolfgang Swat