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| 01:22 Uhr

„Ich bin mit der Pfarrerband bei der Laga in Luckau aufgetreten“

Der neue Landesbischof, Markus Dröge, sieht in dem Neuanfang eine Chance, unbefangen an die Dinge heranzugehen. Foto: epd
Der neue Landesbischof, Markus Dröge, sieht in dem Neuanfang eine Chance, unbefangen an die Dinge heranzugehen. Foto: epd FOTO: epd
Am Freitag wurde er zum Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gewählt: Markus Dröge, 54 Jahre alt, verheiratet mit einer Zahnärztin, Vater von drei Kindern. Die RUNDSCHAU hat mit dem Theologen, der im November Nachfolger von Bischof Wolfgang Huber wird, gesprochen.

Herr Dröge, zunächst einmal "herzlichen Glückwunsch" zu Ihrer Wahl als Landesbischof. Was sind Ihre Pläne für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz?
Ich will als erstes viele Besuche in den Gemeinden und bei den Menschen in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz machen. Ich will die Landeskirche mit all ihren Stärken und Schwächen kennenlernen, bevor ich ein eigenes Programm entwickele. Denn eine große Chance eines Neuanfangs ist es, dass man unbefangen an Dinge herangehen kann.Was kennen Sie denn schon vom Land Brandenburg?
Ich kenne den Spreewald und die Lausitz. Mein Kirchenkreis Koblenz hat seit den 1960er-Jahren eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Lübben. Dort bin ich mehrfach gewesen, weswegen ich die Probleme der Region etwas kenne. Auch als in Luckau Landesgartenschau war, bin ich mit der Pfarrerband, in der ich damals E-Bass spielte, auf einer Bühne aufgetreten. Und dann sind erst vor kurzem zwei Pfarrer aus meinem Kirchenkreis nach Brandenburg gewechselt: Der eine arbeitet heute in Frankfurt an der Oder, der andere auf einem Dorf bei Lübben. Kontakte gibt es also. Wenn Sie die Lausitz kennen, haben Sie ja sicher auch schon von der Diskussion um die Lausitzer Braunkohle gehört. . .
Wir haben eine ähnliche Diskussion bei uns im Rheinland, wo es um die Zukunft des Tagebaus Gartzweiler II geht. Der Kirchenkreis Jülich vertritt dort die Position, dass man die vorhandenen Tagebaue ausschöpfen sollte, aber aus Klimaschutzgründen keine weiteren Tagebaue erschließen sollte. Und gleichzeitig sollte man versuchen, soviel Kraft wie möglich in die Energiegewinnung ohne Kohle zu investieren. Das erscheint mir vernünftig.Ein Problem der Kirchen im Land Brandenburg ist die Säkularisierung. Was sagen Sie den Menschen in einer Dorfgemeinde, wo vielleicht nur fünf Personen sonntags in die Kirche gehen?
Solch eine kleine, treue Gemeinde muss ermutigt und gestärkt werden, damit alle bei der Sache bleiben. Wir müssen mit der Gemeinde im Gespräch darüber bleiben, wie sie auch in einer solchen Situation kirchliches Leben aufrecht erhalten kann. Wir müssen fragen: "Was könnt Ihr Schönes gestalten, das Euch Freude macht?" Und das kann eine Kulturveranstaltung in der Dorfkirche sein, oder ein besonderer Gottesdienst. Eine einzige Sache, die Freude macht, ist im Zweifel mehr, als wenn man immer nur sagt, dass man dahinsiecht.Die Landeskirche hat im Jahr 2007 unter dem Titel "Salz der Erde" ein Reformpapier veröffentlicht, das durchaus umstritten ist. Wie wollen Sie damit weiterarbeiten?
Ich kenne das "Salz der Erde"-Papier, und freue mich darüber, dass sich die Landeskirche ein klares Programm für die Zukunft gegeben hat. Das macht mir den Anfang leichter. Und ich denke, dass sich jeder Gemeindekirchenrat mit diesem Papier beschäftigen soll. Aber natürlich kann man es nicht als umfangreiches Programm nehmen, wo alles für alle gilt: Jede Gemeinde sollte zwei oder drei Impulse setzen. Als Berliner Bischof werden Sie auch im Rampenlicht der Hauptstadt stehen. Welches sind die bundespolitischen Themen, die Sie interessieren?
Zunächst einmal ganz generell: Ich mag es, als Theologe Positionen zu erarbeiten und diese dann in der Öffentlichkeit zu vertreten. Natürlich werde ich mich mit dem künftigen oder der künftigen Ratsvorsitzenden der EKD abstimmen müssen. Aus der persönlichen Erfahrung im Rheinland würde ich sagen, dass der Dialog mit dem Islam ein Thema ist, das uns auch in Zukunft beschäftigen wird. Wobei ich diesen Dialog gerne als Theologe führen möchte. Im Rheinland habe ich an einem Papier mitgearbeitet, nach dem sich Christen und Muslime auf den gemeinsamen Stammvater Abraham besinnen und darüber ins Gespräch kommen sollen. Eine letzte Frage zur Ökumene: Wolfgang Huber hat dort den Begriff der "Ökumene der Profile" geprägt. Wie stehen Sie dazu?
Ich stehe voll hinter Wolfgang Huber. Dabei ist zu bedenken, dass Huber zwar den Begriff "Ökumene der Profile" geprägt hat. Die Sache aber stammt von Kardinal Josef Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI.: Im Jahr 2000 hat er mit der Erklärung "Dominus Jesus" andere Kirchen kritisch beurteilt und die evangelische Kirche in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu mehr Profil aufgefordert. Seither nehme ich die Herausforderung gerne an - wobei ich sage, dass ich das in aller Freundschaft tue und großen Wert auf ein gutes Verhältnis zu den Christen anderer Konfession lege. Mit Bischof Markus Dröge sprach Benjamin Lassiwe