Ihr Ministerkollege Frank Szymanski wird Ende des Monats Oberbürgermeister in Cottbus. Damit sind Sie der einzige Lausitzer im Kabinett. Kommt da mehr Verantwortung auf Sie zu?
Das sehe ich schon so. Mit zwei Ministern, die eng miteinander gearbeitet haben, war die Lausitz bisher stark im Kabinett verankert - was übrigens nicht alle nur toll fanden. Aber ich habe Frank Szymanski auch versprochen, dass wir weiter einen guten Draht haben werden. Ein bisschen fühle ich mich schon wie der reitende Bote zwischen Potsdam und Cottbus. Aber das mache ich gerne. Denn ich bin der Überzeugung, dass Cottbus eine Signalfunktion in der Lausitz hat und die Entwicklung dieser Stadt für alle Lausitzer Gemeinden wichtig ist.

Erhoffen Sie sich dabei auch Unterstützung andere Personen?
Ich kann als Minister keine Anträge schreiben. Die Abstimmung mit den Regionen ist unerlässlich und natürlich sind die Landtagsabgeordneten stärker in der Verantwortung als bisher. Für Frank Szymanski rückt die Cottbuserin Kerstin Kircheis ins Parlament - sie hat parlamentarische Erfahrung auf Stadtebene und wird sich schnell reinfinden. Ich hoffe, dass durch eine bessere Zusammenarbeit mit Cottbus auch mehr Anforderungen in Richtung Potsdam kommen werden. Für mich steht fest: Cottbus kann es ohne Potsdam nicht schaffen.

Haben sie Minister Szymanskis Entscheidung verstanden, nach Cottbus zu gehen?
Ja.

Hätten Sie sich das auch vorstellen können?
Da kommt meist gleich die Frage hinterher, ob ich als Forster Bürgermeister kandidieren würde. Ich hätte mir das schon vorstellen können. Aber es kommt auch auf das Teamspiel zwischen Cottbus, Potsdam und der Lausitz an. Deshalb bin ich dem Ministerpräsidenten dankbar, der auf eine Frage in diese Richtung gesagt hat: Woidke bleibt in Potsdam.

Wie schätzen Sie das in Cottbus erstmals angetretene Bündnis aus CDU, Linkspartei.PDS, FDP und anderen ein?

Eigentlich wurde - aus Potsdamer Sicht - hier erstmals offensichtlich, dass es in der CDU massive interne Probleme gibt. Das Bündnis wurde trotz Widerstand im Landesvorstand durchgezogen. Hinzu kam, dass es mit Holger Kelch einen Kandidaten unterstützte, den die Ex-Oberbürgermeisterin Karin Rätzel geholt hatte. Ich bin froh, dass Holger Kelch jetzt bleibt, und dass die Chance für überparteiliche Zusammenarbeit besteht. Denn Parteiengezänk kann sich Cottbus nicht länger leisten.

Weshalb trauen Sie Frank Szymanski den Imagewandel für die Stadt zu?
Weil er bürgernah und durchsetzungsstark ist - das kann ich als Umweltminister besser einschätzen als jeder andere. Und ich denke, er kann führen, verbinden, die Entscheidungsträger unter einer Fahne einen.

Ein die Lausitz prägendes Zukunftsprojekt ist die IBA Fürst-Pückler-Land. Ist es richtig, dass der künftige Infrastrukturminister, Reinhold Dellmann, nicht gerade ein großer Freund der IBA sein soll?
Das habe ich noch nicht gehört. Aber Fakt ist: Die komplette Landesregierung wertet die IBA schon jetzt als großen Erfolg. Ich gebe ehrlich zu, dass auch ich 1999 sehr skeptisch war, ob die Visionen für die Umgestaltung der Lausitz nach der Braunkohle zu realisieren sein würden. Schon heute hat es die IBA geschafft, dieser Region ein anderes Image zu verleihen. Sie hat der Sanierungsregion Lausitz ein neues Leitbild gegeben und es mit hervorragend laufenden Projekten untersetzt. Auch Minister Dellmann wird als oberster Landesplaner darauf Wert legen müssen, dass die Region nicht nur saniert wird, sondern dass er der Lausitz gemeinsam mit Sachsen Entwicklungsperspektiven gibt.

Es wird sich also an der Unterstützung für die IBA aus Potsdam auch mit einem neuen Minister nichts ändern. . .
Davon bin ich überzeugt.

Sie haben die Probleme und den Machtkampf in der Landes-CDU bereits angesprochen. Bekommen Sie langsam Angst um Ihren Koalitionspartner?
Ich kann bestätigen, was Jörg Schönbohm kürzlich vor laufenden Kameras gesagt hat: Der Streit innerhalb der CDU hat das Kabinett und die Regierungsarbeit nicht erreicht. Es wird nach wie vor gemeinsam versucht, Probleme des Landes zu lösen. Mich stört, dass seit geraumer Zeit CDU-Interna die Schlagzeilen beherrschen und nicht die Arbeit der Landesregierung. Ich hoffe, dass mit der CDU-Führungsentscheidung im Januar diese Probleme beseitigt sind.

Dort könnte auch der gescholtene Ex-Generalsekretär Sven Petke CDU-Landeschef werden. Welche Perspektive hat die Koalition dann?
Darüber möchte ich jetzt nicht orakeln. Ich hoffe, dass die CDU ein verlässlicher Koalitionspartner bleibt.

Es kann aber doch passieren, dass die CDU-Minister im Kabinett keine Mehrheit in der eigenen Partei mehr haben. Für den Fall wird es in der SPD doch strategische Überlegungen geben. . .
Ich gehe davon aus, dass nach dem CDU-Parteitag die Geschlossenheit wieder hergestellt wird.

Ist das Aufeinanderzugehen zwischen SPD und Linkspartei.PDS in jüngster Zeit ein Abtasten möglicher künftiger Koalitionspartner“
Man muss der SPD wohl zugestehen, dass sie nach dem vergangenen Landtagswahlkampf mit Lügen, Halbwahrheiten und teils persönlichen Beleidigungen seitens der PDS eine gewisse Zeit brauchte, um wieder zu Gesprächen auf Landesebene zu finden. Das ist jetzt geschehen. Ich hoffe aber, dass wir die Große Koalition weiterführen können. Weil ich sie als erfolgreich ansehe und wir noch einiges vorhaben.

Ist Rot-Rot dennoch für Sie eine Option?
Es ist immer schlecht, innerhalb der Legislaturperiode den Koalitionspartner zu wechseln. Wir werden das nach meiner Auffassung nur tun, wenn keine andere Option bleibt. Momentan sehe ich das nicht.

Vom Koalitionsklima zum Klimawandel weltweit. Sind Auswirkungen des Klimawandels in der Region bereits zu spüren?
Der Klimawandel wird von 99 Prozent der Wissenschaftler nicht mehr bestritten. Ich bin aber gegen Schlagworte und Übertreibungen wie etwa die Versteppung der Lausitz. Das ist nach den Niederschlagsmessungen der letzten 100 Jahre in der Region nicht belegbar. Aber ich sage: Was der Mensch zurzeit zum Klimawandel beiträgt, muss schnellstmöglich begrenzt werden. Und da bin ich für ganz konkrete Zielvorgaben - beim Bund und auch in den Ländern. Ich bin auch überzeugt, dass zum Beispiel erneuerbare Energien ein Konjunkturmotor in Deutschland sein können.

Welche Rolle wird die Braunkohle in der Zukunft spielen?
Die Braunkohleverstromung wird für Brandenburg die Säule in der Energiegewinnung bleiben müssen. Im Übrigen bin ich der Auffassung, dass Deutschland aufgrund der geostrategischen Abhängigkeit weiter auf seine einheimischen Energieträger setzen muss. Was die Perspektive der Atomkraft betrifft: Ich glaube daran erst, wenn Atomkraftbefürworter in Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg damit beginnen, die Endlagerung in ihrem Bundesland vorzubereiten. Ich denke, die Atomkraft verschleiert uns nur den Blick auf die Probleme, zumal die Uranvorräte weltweit auch nur noch 40 bis 50 Jahre ausreichen. Ich vertraue darauf, dass in zehn, zwanzig Jahre andere Technologien zur Energieerzeugung zur Verfügung stehen.

Worin sehen Sie als Minister künftig den entscheidenden Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Ganz klar: Das ist die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Räume. Für mich gibt es gewaltige Potenziale - auch Arbeitskraftpotenziale - bei erneuerbaren Energien und für den ländlichen naturnahen Tourismus. Es mag simpel klingen, aber meiner Auffassung nach gibt es zur Lösung der demografischen Probleme gerade auf dem Lande nur eine Lösung - die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

Mit DIETMAR WOIDKE sprachen Tim Albert, Thomas Klatt,
Jan Siegel und Christian Taubert