„Wir waren drei Brüder und eine Schwester. Seit wir so etwa zehn Jahre alt waren, wurden wir fest als
Arbeitskräfte mit eingeplant . . .“
 Christoph Schilka, Nebenerwerbslandwirt


Es klingt so ein bisschen nach Freizeitspaß, wenn einer von sich sagt, er sei Bauer im Nebenerwerb. „Aber so eben mal nebenbei lässt sich das nicht machen“ , sagt Christoph Schilka. „Wenn man voll berufstätig ist und nach Feierabend rund 70 Hektar Land bewirtschaften will, muss die ganze Familie mitziehen.“
„Familie“ , das ist ein Schlüsselwort in seinem Leben. Die Frau, die sich mit ihm gemeinsam kümmert um Land und Vieh. Der Sohn, der Landwirtschaft studiert und dem Vater schon heute eine unverzichtbare Stütze ist. Zwei Brüder, die ebenfalls als private Bauern in der Region aktiv sind. Und schließlich der Vater, der all sein Wissen und Können und die Liebe zum Land an die Söhne weitergegeben hat. Klingt in modernen Ohren fast schon kitschig, gehört aber bei den Schilkas zu dem, was das Leben lebenswert macht.
„Wir waren drei Brüder und eine Schwester hier auf dem Hof. Seit wir so etwa zehn Jahre alt waren, wurden wir fest als Arbeitskräfte mit eingeplant. Halfen beim Heu wenden, bei der Kartoffelernte, beim Holzmachen. Wir fuhren Trecker und versorgten abends das Vieh“ , erinnert sich der Mann. Leben und Arbeiten eng verbunden, drei Generationen unter einem Dach. 1960 mussten die Schilkas ihr Land im Rahmen der Zwangskollektivierung in die Genossenschaft einbringen. Christoph Schilka studierte Landwirtschaft und Landmaschinenbau, arbeitete als Techniker in der Genossenschaft. Zur Wende war den Brüdern klar, dass sie das Land der Familie wieder bewirtschaften wollten. Christoph als Ältester übernahm den Hof in Guhrow, die Jüngeren bekamen Flächen von Onkel und Tante.
„Ich habe hier mit neun Hektar angefangen“ , sagt Christoph Schilka. „Heute sind es knapp über 70. Dazu halten wir 30 Mutterkühe.“ Im Hauptberuf arbeitet er als Prokurist einer Tiefbau- und Rohrleitungsfirma. Sein Ziel aber ist es, irgendwann seinem eigenen Sohn einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übergeben, der eine Familie ernähren kann. „Der Junior hat jetzt schon sein Steckenpferd - er interessiert sich ganz besonders für die Freilandhaltung von Schweinen.“ Stolz klingt mit in Schilkas Worten, obwohl er weiß, dass er Zukunftsmusik spielt. Gern würde er Äcker dazu pachten, den Hof vergrößern - „aber die Leute wollen das nicht“ . Lieber, so sagt er, geben sie ihr Land auch heute noch den großen Agrargenossenschaften. „Das Private ist ihnen suspekt. Sie verpachten ihre Äcker zum Teil auf zwanzig oder mehr Jahre und nehmen damit ihren eigenen Kindern jede Chance, als Bauern zu arbeiten.“ Schil ka redet sich warm, man spürt, wie sehr ihm das Thema am Herzen liegt, weit über das persönliche Schicksal hinaus. Er ist aktiv im Vorstand des Bauernbundes in Brandenburg (Slogan: christlich, konservativ, heimatverbunden), er kämpft für einen bäuerlichen Mittelstand. „Ich bin ein freier Bauer auf freiem Land. Davon profitieren Region und Dorfgemeinschaft. Fastnacht, Osterfeuer, Freiwillige Feuerwehr, das lebt auf mit uns.“
Selbstredend ist Schilka mit dabei, wenn gefeiert wird und organisiert, er ist Gemeindevertreter, „weil auch die Politik dazugehört zum Leben“ . Seinen Bruder Johannes unterstützt er beim Aufbau eines landwirtschaftlichen Museums in Werben (Spree-Neiße), gemeinsam betreiben beide die Gründung einer Erzeugergemeinschaft „Spreewälder Ökoland“ . Spreewaldkoch Peter Franke sitzt dabei mit im Boot. Anbau, Marketing und Verbrauch von Produkten aus der Region in der Region sollen gefördert werden. Und, als ob das nicht schon genug wäre - Christoph Schilka pflegt zusätzlich noch einen Öko-Stammtisch und ist im Naturschutzbund Nabu aktiv. „Hier, schauen Sie mal“ , sagt er und zeigt Fotos von frisch angelegten Schutzpflanzungen und Teichen. Über 100 Bäume, drei Gewässer und 1200 Meter Schutzpflanzung sind im vergangenen Jahr in der Nähe von Guhrow entstanden, in einem Gemeinschaftsprojekt von Nabu, Landkreis sowie Wasser- und Bodenverband. „Auf einem völlig verödeten Landstück.“
Dem Land zurückgeben, was man von ihm nimmt, das gehört zur Philosophie des Bauern. „Diese Verpflichtung und Achtung gegenüber der Schöpfung ist uns wichtig“ , sagt der Bauer. Was wiederum seinen Hang zur Ökologie begründet, ebenso wie das klare Nein zur Gentechnik. „Auch, weil die uns private Mittelständler in eine ungute Abhängigkeit bringen würde von den amerikanischen Saatgut-Konzernen.“
Eins greift ins andere im Leben des Christoph Schilka. Wie an der Wand in seiner Küche, wo neben den Bildern der Familie auch ein Zitat Friedrichs des Großen hängt: „Es gibt keine anderen Reichtümer als die, die die Erde hervorbringt.“