Für Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist es beinahe schon ein Pflichttermin, wenn er von den IBA-Machern in die Lausitz eingeladen wird. Die Zusage, beim Auftakt des Europajahres dabei zu sein, liegt denn auch seit Wochen in Großräschen vor. Doch eine Krankheit macht nun seine Teilnahme zunichte. Staatskanzleichef Clemens Appel (SPD) vertritt ihn.

Platzeck von Ideen überzeugt
Platzecks Engagement kommt nicht von ungefähr: Als vor fast genau sieben Jahren die Landesregierung in den Cottbuser Messehallen darüber beriet, ob sie einer IBA als Instrument zur Begleitung des Strukturwandels in der Lausitz zustimmen sollte, gab es für den angehenden IBA-Chef Kuhn nur einen Verbündeten. "Umweltminister Platzeck war von unseren Ideen überzeugt", erinnert sich Kuhn. Das Kabinett hatte sich damals nur zähneknirschend zu diesem Vorhaben durchgerungen. Platzeck kann sich aufgrund der Ergebnisse an insgesamt 24 IBA-Projekten und dem eingeleiteten Wandel in der längst bestätigt sehen.
Wenn der Regierungschef heute in Großräschen in die See-Straße eingebogen wäre, würde ihm zunächst das weithin sichtbare neue see-Zeichen - Symbol der IBA - aufgefallen sein. Der "see-Kubus" stellt sich als markanter Wegweiser für die IBA-Terrassen dar (siehe Hintergrund). Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) ließ es sich nicht nehmen, die Einweihung des Hinweiszeichens zu vollziehen. Gäste würden jetzt zusätzlich neugierig gemacht, was sich wohl am Ende der Straße, die früher direkt in den Tagebau Meuro führte, verbergen könnte.
Auf Platzeck trifft das nicht zu, er hat auf den IBA-Terrassen unter anderem die Halbzeitpräsentation nach fünf Jahren gesehen und war angetan, was in der Lausitz nach dem Braunkohlebergbau entstanden ist oder angeschoben wurde. Heute hätte er an der Uferkante des künftigen Ilse-Sees einen "Markt europäischer Kulturen" eröffnet. Dabei wird sich zuerst das IBA-Partnerland Polen präsentieren. Es folgen Italien, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Mit Polen verbinden sich Projekte um das ehemalige Haus des Bau-
haus-Stararchitekten Mies van der Rohe in Guben/Gubin und um den Pückler-Park in Bad Muskau/Leknica. Aber auch die Tour de IBA, die am 1. Mai startet, fährt in diesem Jahr jenseits der Neiße entlang. "Wir beteiligen uns auch an grenzüberschreitenden Veranstaltungen wie dem Brandenburg-Tag in Forst und dem Altstadtfest in Görlitz", erläutert IBA-Chef Kuhn.

Kulinarische Reise nach Polen
Zum Auftakt eines jeden Themenmonats auf den IBA-Terrassen gibt es ein großes Kulturfest unter dem Motto: "Sieben Monate - Sieben Länder - Sieben Feste". Kultur, Brauchtum und Besonderheiten der Länder sollen dabei vermittelt werden. Zum morgigen Auftakt heißt es auf dem Markt europäischer Kulturen "Typisch Polnisch: Polska Muzyka" (14 bis 18 Uhr). Zu einer kulinarischen Reise nach Polen lädt ab 19 Uhr Sewan Latchinian ein. Der Intendant der Neuen Bühne Senftenberg kocht mit einem prominenten Gast aus dem Nachbarland ein typisch polnisches Drei-Gänge-Menü (Anmeldung, Tel: 035753/2610).

"Schwimmender" Durchbruch
Rolf Kuhn wird dem Ministerpräsidenten später auch zusagen können, dass in diesem Jahr endlich Häuser im künftigen Lausitzer Seenland zu Wasser gelassen werden. "2006 werden wir den Durchbruch bei der schwimmenden Architektur vollziehen", ist der IBA-Geschäftsführer sicher. Heute wird die neue Veranstaltungsreihe "Europa in der Lausitz 2006" (14.30 Uhr auf den IBA-Terrassen) eröffnet.

Hintergrund see-Kubus
 Das Berliner Architekturbüro "mesh design" hat den Wettbewerb um das neue see-Zeichen in Großräschen gewonnen. Für die Architekten Tom Duncan und Noel McCauley ist der see-Kubus ein markanter Wegweiser zu den IBA-Terrassen. Durch die Faltung des Logos überschneiden und bewegen sich nach deren Ansicht beim Vorbeigehen die Buchstaben. Ein Spiel mit Transparenz und Tiefe, das an die zukünftige Präsenz von Wasser erinnert und Sinnbild für den Wandel der Region zu einer neuen Seenlandschaft steht. Eine Toninstallation wird aktiviert, wenn sich eine Person unterhalb des blauen Kubus befindet und so in die neue Seenlandschaft eintauchen kann.