Großräschen bekommt im April wichtigen Besuch. Am Sitz der Internationalen Bauausstellung (IBA) „Fürst Pückler Land“ im Oberspreewald-Lausitzkreis wird sich eine Konferenz des Bundesumweltministeriums mit der Zukunft der erneuerbaren Energien befassen. Einen Tag vorher wird dort die Ausstellung „Energieland Lausitz“ eröffnet. Sie soll zeigen, wohin sich die Region in Sachen Energieerzeugung entwickeln kann.
Es ist der Beginn einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, mit denen in diesem Jahr der Blick auf die Lausitz als Energiestandort gelenkt werden soll. „Die Region soll Energieland bleiben, aber auf eine neue Art“ , nannte IBA-Geschäftsführer Professor Rolf Kuhn das Ziel der Kampagne. Daran beteiligen sich Kommunen, Unternehmen, das an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus angesiedelte Centrum für Energietechnologie Brandenburg (Cebra) und die Regionalplanung. Für das IBA-Projekt ist dabei nicht die Frage Braunkohlestrom oder erneuerbare Energie entscheidend, sondern die Verknüpfung von beidem.
Im Brandenburger Teil der Lausitz würden heute schon 7,6 Prozent von verbrauchtem Strom und Wärme aus erneuerbarer Energie erzeugt. „Gerade viele kleine Orte in der Region könnten damit noch mehr versorgt werden“ , versichert Cebra-Geschäftsführer Georg Wagener-Lohse. Die Region bringe dafür die Kompetenz mit. „Die erneuerbaren Energien haben große Zuwachsraten, wir wollen unseren Anteil davon haben.“
Doch der Forderung nach einem schnellen Ausstieg aus der Braunkohleförderung und -verstromung in der Lausitz, wie er im Zuge der Klimadebatte laut wurde, erteilt Wagener-Lohse eine klare Absage: „Die bisherige CO 2 -Reduktion in Deutschland wurde im Osten organisiert, aber davon redet keiner.“ Dazu habe nicht nur der Industrieabbau, sondern auch die Kraftwerksmodernisierung beigetragen. Außerdem liege Brandenburg bei einem Vergleich der Bundesländer in absoluten Mengen erzeugter regenerativer Energie auf Platz drei.
630 Megawatt regenerativer Energieerzeugung weist der neue Energiealtas für Südbrandenburg aus. Zwei Drittel der von der regionalen Planungsgemeinschaft ausgewiesenen Eignungflächen für Windräder seien belegt, sagt Carsten Ma lusz czak, vom Planungsverbund. „Das Thema CO 2 -Ausstoß sollten wir deshalb in der Region offensiv diskutieren“ , fordert Cebra-Chef Wagener-Lohse. Wenn in der Lausitz wie jetzt im Rahmen der Energieland-Kampagne ein Ferienhaus mit Solar-Luft-Heizung vorgestellt werde, sei das wichtiger als in Potsdam den schnellen Braunkohleausstieg zu fordern.
Der Energiekonzern Vattenfall Europe Mining & Generation, der in der Lausitz Braunkohletagebaue und Kraftwerke betreibt, beteiligt sich an dem IBA-Projekt. „Wer glaubt, dass man sich schnell von der Braunkohle verabschieden kann, der geht an der Wirklichkeit vorbei“ , sagt Vattenfall-Finanzvorstand Klaus Aha. Als Argumente dafür nennt er die begrenzte Verfügbarkeit von Öl und Gas. Auch die chemische Industrie, so Aha, denke schon an die Möglichkeit, dass Öl knapp wird und zeige langsam wieder Interesse an der vor Jahrzehnten eingestellten Kohleverflüssigung. „Wir sind da mit internationalen Firmen im Gespräch und forschen auch darüber.“
Vom Ruf als CO 2 -Sünder will Vattenfall jedoch vor allem mit seiner Entwicklung einer CO 2 -Abscheidung aus Kraftwerksabgasen wegkommen. Im kommenden Jahr soll die Pilotanlage in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) in Betrieb gehen und zum besseren Image der Branche und der Region beitragen. Wo nach ausreichender Erprobung des Verfahrens eine Großanlage gebaut werden soll, stehe noch nicht fest, so Aha. Im Gespräch sei auch das Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße).
Ein großer Teil der Veranstaltungen in der nun beginnenden und ein Jahr dauernden "Energieland"-Kampagne der IBA wird von Kommunen, Bildungsträgern und Unternehmen bestritten, die aus einem Wettbewerb hervorgegangen sind. Der Landkreis Elbe-Elster stellt sich als Klimaschutzregion vor und auf dem Eurospeedway Lausitz veranstalten Dekra und das Amt Schipkau einen Technologietag „Alternative Kraftstoffe“ . Es geht um Solaranlagen, Energieeffizienz und den Wandel vom Land- zum Energiewirt. Die Veranstaltungen sollen die regionale Innovationskraft zeigen.
Eine zentrale Rolle im „Energieland Lausitz“ , so IBA-Chef Kuhn, wird die Energielandschaft Welzow spielen. Dort werden Energiewälder und andere Arten der Erzeugung von Biomasse untersucht. Im kommenden Jahr will sich die IBA dann dem Thema „Wasser“ und 2009 dem Thema "Neues Land" widmen. Das Projekt im Internet:
www.energieland-lausitz.de