Wir werden dem Fachbeirat vorschlagen, das Landschaftsprojekt Welzow zu streichen“ , sagt Kuhn vor Vertretern der umliegenden Gemeinden. Damit ist das Ende eines der größten und wichtigsten IBA-Projekte in der Lausitz so gut wie besiegelt, auch wenn der Fachbeirat in gut drei Wochen noch seine Zustimmung geben muss. Doch daran zweifelt niemand. Das „Landschaftsprojekt Welzow“ , das früher mal „WüsteOase“ hieß, wird es nicht geben.
Vor sechs Jahren hatte es hoffnungsvoll angefangen mit den Plänen für eine als künstlerische Landschaft der besonderen Art aufgeschütteten Bergbaukippe. Die Großgeräte des vorbei wandernden Tagebaus Welzow-Süd sollten auf 700 Hektar Land Erdreich auftürmen, von dem ein Teil begrünt werden sollte. Größere Kippenteile sollten mit ihren rauen Rippenflächen dazu im Kontrast stehen. Pläne über mögliche touristische Nutzungen wurden entworfen, die nun Makulatur sind.
Denn was den Planern Entzücken bereitete, löste bei Anwohnern Ängste aus. Sorge vor Staubbelastung durch rohes Erdreich gehörte dazu und vielleicht auch das Gefühl, den Tagebau mit seinen Belastungen endlich hinter sich lassen zu wollen. Unmut breitete sich in den Gemeindevertretungen aus. Unterschriften gegen die Riesendüne wurden gesammelt.

Fachliche Probleme
Doch nicht nur der Unwillen der Anwohner brachte das gewagte Vorhaben zunehmend unter Druck. Immer mehr fachliche Probleme traten auf. Im Sommer 2005 mussten die bisherigen Planungen beiseite gelegt werden, weil feststand, dass das Neupetershainer Fließ nach dem Kohleabbau als Vorfluter wieder hergestellt werden muss. Es hätte die „WüsteOase“ durchquert.
Doch an Aufgeben dachte damals kaum jemand. Ein Neustart wurde versucht, neue Pläne aufgelegt und eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Anliegerkommunen ins Leben gerufen, um die Vorbehalte der Anwohner zu überwinden. Das Projekt bekam einen neuen Namen, schrumpfte von 700 auf 500 Hektar Größe. Neue Form der Kunst-Kippe: Ein halbrunder Bogen, auf der Außenseite bepflanzt, innen rohes Erdreich, dazwischen Übergangsbereiche.

Unklares Restrisiko
Doch die Probleme gingen weiter. Einige Fragen konnten nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden: Geht durch mangelnde Standsicherheit doch noch Gefahr von der Riesenschüttung für Besucher aus„ Wie sauer wird der Boden, und was wird darauf wachsen“ Wie sieht es mit der Entlassung aus der Bergaufsicht aus„ Wer wird Träger und Betreiber der Kunst-Landschaft und übernimmt die Restrisiken“
Doch ohne Klarheit über die Restrisiken kein Betreiber. Das sagt Uwe Krohn, der beim Bergbaukonzern Vattenfall für den Tagebau Welzow-Süd zuständig ist: „Wir können diese auf dem Papier gezeichnete Landschaft nicht exakt so herstellen.“ Das einzusehen, sei auch für die Bergbauspezialisten ein langer Erkenntnisprozess gewesen.
Ein Stiftungsmodell für die Übernahme des Landschaftsprojektes, das die IBA entworfen hat, kann das Vorhaben nicht mehr retten. Ohne Klärung der offenen Fragen sind Kommunen wie Welzow, Drebkau und Spremberg nicht bereit, sich daran zu beteiligen.
Rüdiger Geffers von der für Braunkohlepläne zuständigen Abteilung der gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Für planungsrechtliche Probleme hätte er Lösungen gesehen. Doch auch er ist froh, dass nun Klarheit herrscht: „Es ist gut, dass wir den Mut haben zu sagen, das war's. Die Zeit läuft uns weg.“ Für Geffers war bei den Anwohnern auch die Angst vor etwas Neuem ein Grund für die Ablehnung. Ein Gefühl, dass Landschaftsplanerin Undine Giseke teilt. Sie ringt sichtbar um Fassung, ehe sie nach jahrelanger Arbeit an dem Projekt etwas zu dessen Ende sagen kann. Epochemachende zeitgenössische Kunst sei in ihrer Zeit immer auch eine Provokation gewesen. „Vielleicht hätte das hier auch eine solche Provokation sein können, gerade weil es in kein Schema passt“ , sagt Undine Giseke. Doch kollektiv provokativ sein ginge vielleicht nicht. „Uns hat kollektiv der Mut verlassen.“
Manche Gemeindevertreter in und um Welzow stellen sich nun die Frage, ob sie bei der IBA leer ausgehen. „Die anderen Projekte sind alle um uns herum, wir sind in der Mitte, aber hier ist nichts“ , bringt der Bürgermeister von Drebkau, Harald Altekrüger (CDU), die neue Situation auf den Punkt. Eine Antwort darauf gibt es im Moment nicht. „Wir werden nachdenken, was jetzt hier noch geschehen kann“ , sagt IBA-Chef Rolf Kuhn, doch einen Schnellschuss werde es dabei nicht geben. Kuhn warnt auch vor Schuldzuweisung für das Scheitern des ehrgeizigen Vorhabens.

Dokumentation entsteht
Einig ist sich die Arbeitsgruppe darüber, dass die Mühe, die in das Projekt gesteckt wurde, nicht verloren gehen soll. Eine Dokumentation soll deshalb das Erreichte bewahren. Vielleicht sei es ja nach der IBA doch noch mal möglich, irgendwo so eine „große Figur“ zu schütten, sagt IBA-Chef Kuhn. „Aber in so einer Dokumentation ist ja auch ein Stück Zeitgeist zu sehen.“
Und Landschaftsplanerin Undine Giseke kann trotz aller Enttäuschung der Dokumentation eines Scheiterns noch etwas abgewinnen. Schließlich zähle in dieser Zeit ja eigentlich nur der Erfolg. Insofern wird das „Landschaftsprojekt Welzow“ doch noch etwas Besonderes.