Die Metamorphose vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan ist schon seit Frühjahr 2004 sichtbar. Das triste schmutzige Grau an der Fassade wich strahlendem Weiß, die klare puristische Architektur von Wilhelm Kreis (1873-1955) ist wieder präsent.
Das Gebäude, das 1930 mit der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung eröffnet wurde, hat mit Hilfe des Architekten Peter Kulka den Staub aus DDR-Zeiten abgeschüttelt. Es sei wieder klar, die Moderne herausgeschält, sagt Direktor Klaus Vogel. "Es steht für die klassische Moderne und als Sinnbild des 20. Jahrhunderts für den deutlichen Abstand zum barocken Selbstbild der Stadt." Ambitionierte Ausstellungsprojekte wie "Die Zehn Gebote" waren Publikumsrenner und auch der seit neun Monaten offene erste Teil der neuen ständigen Ausstellung überzeugt die Besucher.

Besucherzahlen im Aufwind
"Wir gehen auf die 220 000 Besucher zu", sagte Vogel. "Damit sind wir in einem Dreivierteljahr da, wo wir jeweils in den letzten vier Jahren lagen." Wenn das Museum 2005 komplett sei, könnten es 250 000 pro Jahr werden. Nach dem absoluten Tiefpunkt von 80 000 Besuchern 1990 stehe der Rekord bisher bei 220 000 im Jahr 2001.
Zum 75-jährigen Bestehen soll im April die neue Präsentation komplett sein. Dann kann auf insgesamt rund 2500 Quadratmetern erstmals eine große Auswahl von 1400 Exponaten der bedeutenden Sammlungen gezeigt werden. Sie reicht von den Gläsernen Figuren über Wachsmoulagen, historische anatomische Modelle und Präparate über Exponate der Gesundheitspflege und -aufklärung im 20. Jahrhundert bis zu kulturhistorischen Objekten der Sammlung Schwarzkopf.
Wenn der Bund sich bislang noch vor dem Beitritt zur Stiftung scheut, die die einzigartige Einrichtung trägt, engagiert er sich seit Jahren finanziell. So flossen 3,8 Millionen Euro für die Sanierung, 2,3 Millionen Euro für die Dauerausstellung und rund 3,5 Millionen für das neue Depotbauwerk.
Dank einer bundesweit einmaligen West-Ost-Sponsoringpartnerschaft hat das Museum seit 1997 rund 3,5 Millionen Euro für seine laufende Arbeit erhalten, von denen 350 000 Euro in den Kapitalstock der Stiftung Deutsches Hygiene-Museum flossen. Die Deutsche Krankenversicherung AG (DKV) Köln stellte darüber hinaus bisher weitere 3,5 Millionen für Sonderprojekte zur Verfügung. Ohne die DKV gebe es nur eine statt zwei Sonderschauen jährlich. Die Sponsoringpartnerschaft wurde bis zum Jahr 2007 vereinbart.

Unterstützung notwendig
"Wir haben noch eine Menge guter Ideen, nur könnten wir sie ohne die Unterstützung nicht umsetzen", macht Vogel deutlich. "Öffentliche Mittel reichen dafür nicht." Das Haus sei auf dem Weg zu einem bislang einzigartigen Forum für die disziplinübergreifende Behandlung von Fragen der künftigen Wissensgesellschaft, die alle Bereiche berührten.
"Im Oktober eröffnen wir unser Kindermuseum", sagt Vogel. In dem inselartig aufgebauten Erlebnisbereich könnten Vier- bis Zehnjährige die fünf Sinne Riechen, Schmecken, Tasten, Hören und Sehen testen und spielend erlernen. Neben klassischen Exponaten werde es eigens dafür entwickelte Elemente geben. Damit hofft er, dass Menschen nicht nur aus Liebe zur Barockstadt, sondern wegen des Hygiene-Museums nach Dresden kommen. "Derzeit sind wir noch eine typische Liebe auf den zweiten Blick." Internet: www.dhmd.de