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| 13:27 Uhr

Hundertwasser mitten im Elbe-Elster-Land

Steffen Modrach und sein Schloss Lilllliput mit der Krone auf dem Dachgiebel in Naundorf. Gebäude und Grundstück sind der Hingucker entlang der Dorfstraße.
Steffen Modrach und sein Schloss Lilllliput mit der Krone auf dem Dachgiebel in Naundorf. Gebäude und Grundstück sind der Hingucker entlang der Dorfstraße. FOTO: Frank Hilbert
Naundorf. Ein buntes Haus ist zum Hingucker in einem kleinen Ort im Elbe-Elster-Kreis geworden: Schloss Lilllliput. Frank Hilbert

Wer im kleinen Dörfchen Naundorf im Elbe-Elster-Kreis aus Richtung Luckau kommend gleich rechts abbiegt, will nicht etwa den neumodischen Blitzer an der B 87 umfahren, sondern möglicherweise einen Blick auf ein ganz besonderes Kleinod in der Dorfstraße 49 werfen - das Schloss Lilllliput. Geschrieben mit vier "l" in der Mitte, wie der Schöpfer und Hausherr Steffen Modrach betont.


Warum er dieses einst im Jahr 1946 aus Abbruchresten einer Industriellen-Villa gebaute Gebäude so nennt und schreibt, begründet er kurz so: "Das L steht für Liebe, Lust, Laune und Leidenschaft. Es hätten auch gern mehr L sein können, aber da ich bescheiden bin, genügen vier vollauf."

Seit 2000 nennt der 54-Jährige das Haus sein Eigen. Und seitdem baut er daran hart und lässt jede Menge kreativer Ideen in Anlehnung an sein großes Vorbild Friedensreich Hundertwasser zur Realität werden. "Kein Fenster, keine Tür, kein Tor, kein Turm, kein Grundriss - nichts gleicht sich. Das Haus besitzt sieben dreifachverglaste Fenster von unterschiedlicher Form, Farbe und Größe, ein buntes Dach in den Farben des Eichelhäher-Flügels und eine kleine Kapelle für acht Personen", betont Steffen Modrach, der im RUNDSCHAU-Video all dies und noch manch andere Überraschung auf dem Grundstück präsentiert. Die Wände habe er mit Naturbaustoffen von einst 24 Zentimetern auf bis zu einem Meter verdickt.

Doch das ist es nicht, was nahezu täglich Neugierige anlockt, um aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen. Modrach führt sie nach Voranmeldung gegen eine kleine Spende gern und wortreich eine Stunde lang über den das Gebäude umgebenden und in seiner Struktur wechselnden Weg mit seinen vier Durchgängen. Und dabei zieht ein Detail nach dem anderen die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. "Fassade und Hofgebäude bestehen aus mehr als zwei Millionen Einzelteilen, und täglich werden es mehr", sagt Steffen Modrach, der in seinem selbst geschaffenen Schloss mit imposanter Krone auf dem Dach gemeinsam mit seiner Partnerin und "drei gemaßregelten Hunden aus dem Tierheim" lebt. Er wolle sich mit den vielfarbigen Glassplittern, Mosaiken, Tassen, Löffeln, Kannen, Tellern, Porzellan-Figuren und -köpfen, Knöpfen und anderen Utensilien sein eigenes und einmaliges "Schlösslein" gestalten.

"Nichts, was man hier sieht, erhebt den Anspruch auf Vollständigkeit. Nichts bleibt wie es ist. Schöpfung pur, jeden Tag aufs Neue. Ein wachsender Organismus, kein seelenloser Klotz", umreißt er sein Motto. Und er werde wohl bis an sein Lebensende daran hart arbeiten.

Auch auf dem Grundstück gibt es weitere Hingucker. Da sind die mannshohe Kakerlake aus Metall, ein Ausguck ins Schliebener Land und eine Ritterrüstung, gebaut von Handwerkern aus der Umgebung. Oder die drei Meter hohe stählerne Kanzel mit Blick auf den kleinen, schön gestalteten Teich samt artenreicher Pflanzenwelt - und auf einen stählernen Drachen, der auch Feuer speien könne, wie der Schlossherr betont.


Fragt man Steffen Modrach nach seinem Beruf, dann kommt er ins Erzählen. Er hat ursprünglich Fischer gelernt, die "langweilige Lehre" aber nie abgeschlossen. Später hat er sich als Bestatter, Sektionsassistent, Versicherungsmakler, Objektleiter beim Rat des Bezirkes, Zauberer, Gefängnisinsasse, Rattenzüchter, Pfleger in der Psychiatrie, Schäfer und Reinigungskraft beim Diakonischen Amt ausprobiert, bevor er den Beruf eines Kesselwärters erlernte, wie er auf seiner Webseite preisgibt. Als Pilot und Referent für die Urania ist er später ebenfalls tätig gewesen. Auch gern nachzulesen in seinem Buch: (K)ein Leben in der DDR, derzeit ausverkauft, aber Mitte 2017 wieder in Neuauflage zu haben.


Wenn er mit seinen Händen am Haus baut, sei der Kopf frei für Neues. So hat er inzwischen mehr als 30 Bücher geschrieben. Unter anderem eines über Gerhard Pohl, der 24 Jahre lang Bürgermeister von Herzberg war. Ein Buch über die Bekämpfung von Wühlmäusen sowie Tierbücher stammen ebenfalls aus seiner Feder.

Das alles scheint Steffen Modrach offenbar immer noch nicht zu reichen: Er rückt auch dem Innern das Hauses künstlerisch zuleibe. "Ich gestalte zum Beispiel die Wände unseres Schlafzimmers mit abertausenden Nüssen zu einem Schlosszimmer um", sagt er. Mal einen Kamera-Blick drauf werfen? Fehlanzeige. "Dann gibt's Ärger mit meiner Frau", sagt er schmunzelnd. "Und glauben Sie mir, die hat es in sich."

Schloss-Führungen für Neugierige

Steffen Modrach gewährt Interessierten gern Einblicke rund ums Schloss Lilllliput und bietet ihnen dazu Gruppen-Führungen mit mindestens acht Teilnehmern gegen eine Spende von fünf Euro pro Person an. Eine vorherige Anmeldung über seine Website oder per Telefon (035361 89423) sei jedoch erforderlich, betont der Schlossherr.
www.steffen-modrach.de